{"id":88,"date":"2007-07-10T07:04:17","date_gmt":"2007-07-10T05:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/edouard-manet-baudelaire-benjamin-salon-subjektivitaet\/"},"modified":"2007-07-10T07:04:17","modified_gmt":"2007-07-10T05:04:17","slug":"edouard-manet-baudelaire-benjamin-salon-subjektivitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/edouard-manet-baudelaire-benjamin-salon-subjektivitaet\/","title":{"rendered":"Edouard Manet Baudelaire Benjamin Salon Subjektivit&#228;t"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/edouard-manet-bild-und-blick-in-manets-malerei.pdf\"><font size=\"1\" face=\"verdana\">Druckversion von Inhaltsverzeichnis und Einleitung (PDF mit Fn. 6.110 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h2>Bild und Blick in Manets Malerei<\/h2>\n<p><small>Berlin: Gebr. Mann Verlag 2003.<\/small><\/p>\n<h3>Einleitung, Abschnitt V<\/h3>\n<p>Im &#8218;Blickwechsel&#8216; zwischen Bild und Betrachter verweben sich indessen Intimit\u00e4t und Anonymit\u00e4t. Die dem Betrachter zugekehrten Gesichter bleiben inselhaft, die Blicke scheinen gleicherma\u00dfen aus dem Nichts zu kommen und ins Nichts zu gehen. Wer ist ihr Adressat? Alle und niemand zugleich. Es sei die &#8222;Menge&#8220;, so Walter Benjamin in seinem Aufsatz \u00fcber Charles Baudelaire, die im 19. Jahrhundert zum Gegenstand und Publikum der Kunst werde. Doch die Menge, so hei\u00dft es dort weiter, sei eine ambivalente Textur. Ihre Erfahrung werde immer wieder durch unvermittelte, schockartige Begegnungen &#8218;punktiert&#8216;, deren Protagonisten sich aber fremd blieben und auch gleich wieder verl\u00f6ren. Baudelaire hat diesen Zusammenprall von Intimit\u00e4t und Anonymit\u00e4t, Getroffensein und Entzug im ber\u00fchmten Gedicht an eine &#8222;Passantin&#8220; beschrieben: &#8222;Ein Blitz \u2026 und dann die Nacht!&#8220;<br \/>\nDer offizielle Salon, in dem Manet trotz h\u00e4ufiger Zur\u00fcckweisung durch die Jury auszustellen beharrte, bildete mit dem auch noch in den 1860er und 1870er Jahren massiven Publikumsandrang und der nach wie vor gro\u00dfen sozialen Bandbreite an Besuchern eine Art Mikrokosmos der &#8218;Stadt der Menge&#8216;, die nach der Logik der B\u00fchne, der Kulisse und des Spektakels organisiert war. In diesem Rahmen, in dem das einzelne Bild unter den Tausenden von Exponaten \u2013 im Salon von 1880 stellten 5 184 K\u00fcnstler und 4 267 Maler aus \u2013 unterzugehen drohte, provozierten Manets Bilder solche Baudelaireschen &#8218;Begegnungen&#8216; durch einen Blick, der den Salonflaneur unvermittelt traf und von der Menge der Besucher f\u00fcr einen Augenblick isolierte. Manets Bilder fielen durch den forcierten Au\u00dfenbezug aus jedem Zusammenhang und zerrissen die \u00e4sthetische Textur der fl\u00e4chendeckend Rahmen an Rahmen geh\u00e4ngten Bilder. Es wurde zur stehenden Wendung der Salonkritiker, davon zu sprechen, Manets Bilder schl\u00fcgen &#8222;ein Loch in die Wand&#8220;. Gleichwohl paarte sich auch hier die &#8218;Begegnung&#8216; mit einem Entzug, nicht nur weil es blo\u00df ein Bild war, von dessen Blick man erfa\u00dft wurde, sondern weil der Betrachter erkennen mu\u00dfte, da\u00df dieser Blick an ihm vorbei- oder durch ihn hindurchging, er folglich nicht der &#8218;Gemeinte&#8216; war. Die beiden Bedeutungen von <em>&#8218;cela me regarde&#8216; <\/em>\u2013 &#8218;es schaut mich an&#8216; und &#8218;es geht mich an&#8216; \u2013 traten in irritierender Weise auseinander.<br \/>\nAuf dem schwankenden Boden einer Zeit, in der das Problem der Kommunikation sich auf allen Ebenen stellte, schuf Manet eine Malerei &#8218;von Angesicht zu Angesicht&#8216;, die weniger ein Modell der Welt entwarf als vielmehr ein Modell der \u2013 prek\u00e4ren, instabilen und immer nur punktuellen \u2013 Beziehung zur Welt. Sie kommunizierte weniger bestimmte Inhalte, sondern Subjektivit\u00e4t selbst, sofern man unter Subjektivit\u00e4t die Vermittlung von Selbst und Welt versteht.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/edouard-manet-blick-bildraum-komposition\/\">Bild und Blick im Zeichen k\u00fcnstlerischer Autonomie<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/edouard-manet-paradoxie-widerspruechlichkeit-gesamtwerk\/\">Abschnitt II<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/edouard-manet-formalismus-greenberg-impressionismus-offenes-kunstwerk\/\">Abschnitt III<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/edouard-manet-autonomie-velazquez-cezanne\/\">Abschnitt IV<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"punkt\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/edouard-manet-baudelaire-benjamin-salon-subjektivitaet\/\">Abschnitt V<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/edouard-manet-bild-und-blick-in-manets-malerei.pdf\">Druckversion von Inhaltsverzeichnis und Einleitung (PDF mit Fn. 6.110 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Druckversion von Inhaltsverzeichnis und Einleitung (PDF mit Fn. 6.110 KB) Bild und Blick in Manets Malerei Berlin: Gebr. 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