{"id":716,"date":"2012-03-13T10:33:15","date_gmt":"2012-03-13T08:33:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=716"},"modified":"2012-03-13T10:33:15","modified_gmt":"2012-03-13T08:33:15","slug":"wittgenstein-kunstwerk-aspekt-erfahrung-interpretation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wittgenstein-kunstwerk-aspekt-erfahrung-interpretation\/","title":{"rendered":"Wittgenstein Kunstwerk Aspekt Erfahrung Interpretation"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/das-medium-der-aesthetischen-erfahrung.pdf\"><span style=\"font-family: verdana; font-size: xx-small;\">Das Medium der \u00e4sthetischen Erfahrung als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.171 KB)<\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Das Medium der \u00e4sthetischen Erfahrung<br \/>\nWittgensteins Aspektbegriff, exemplifiziert an Pollocks Malerei<\/h2>\n<p><small>in: Imagin\u00e4re Medialit\u00e4t &#8211; Immaterielle Medien, hrsg. von Gertrud Koch, Kirsten Maar und Fiona McGovern, M\u00fcnchen 2012, S. 125-142.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel V: Erfahrung und Interpretation<\/h3>\n<p>Wittgenstein betrachtet Kunstwerke als Angebote und Versprechungen, aber auch als Forderungen im Hinblick auf unsere Wahrnehmung. Sie sind keine vom Betrachter abgetrennten Entit\u00e4ten, sondern suchen die Beziehung zu ihm. Ihre Gestalt erhalten sie im Zusammenspiel zwischen ihrer sinnlichen Beschaffenheit, die sie ihm darbieten, und der Art und Weise, wie sie von ihm gesehen werden. Wer aufgrund von \u00dcbung, Wissen und \u00e4sthetischer Sensibilit\u00e4t jene Erfahrung des &#8222;Passens&#8220; macht, die mit dem Aufleuchten beziehungsweise dem Bemerken des Aspekts einhergeht, macht die Erfahrung, dass zwischen Subjekt und Objekt ein Zusammenhang gestiftet wird, der beide \u00fcbergreift. Damit wird der Aspektbegriff zur Antwort auf die erfahrungs\u00e4sthetische Frage, in welchem Verh\u00e4ltnis der k\u00fcnstlerische Gegenstand und die Wahrnehmung des Betrachters stehen &#8211; zu einer Antwort, die dieses Verh\u00e4ltnis als produktives Zusammenspiel beider bestimmt. Wittgensteins Ausf\u00fchrungen &#8211; aber genauso auch Kambartels Pollock-Deutung, die ich zur Veranschaulichung heranzog &#8211; machen deutlich, dass der im Wahrnehmungsgegenstand aufleuchtende Aspekt das <em>Medium<\/em> der \u00e4sthetischen Erfahrung ist, insofern als er dasjenige ist, was Subjekt und Objekt der \u00e4sthetischen Erfahrung miteinander <em>vermittelt<\/em>. Er ist wie ein immaterielles &#8222;Bild&#8220;, das im Zusammenspiel von Gegenstand und individueller Wahrnehmung entsteht und weder auf Merkmale des Gegenstands noch auf die Subjektivit\u00e4t einer bestimmten Auffassungsweise reduziert werden kann. Der Aspekt ist eine Relation, und Wittgenstein zufolge eine Relation, die &#8222;passt&#8220;.<br \/>\nVon Negativit\u00e4ts\u00e4sthetiken, die die Inkommensurabilit\u00e4t zwischen dem \u00e4sthetischen Objekt und der Auffassung des Subjekts betonen, hebt sich Wittgensteins Erl\u00e4uterung der Kunsterfahrung mit ihrem Zentralbegriff des &#8222;Passens&#8220; &#8211; das hei\u00dft des Kommensurablen &#8211; deutlich ab. <em>Negativ<\/em> an der \u00e4sthetischen Erfahrung eines Kunstwerks, so wie Wittgenstein sie bestimmt, ist die wechselseitige Unvertr\u00e4glichkeit der Aspekte, die zu einem nicht stillzustellenden Fluktuieren des Objekts und seiner Wahrnehmung f\u00fchrt. <em>Negativ<\/em> ist des Weiteren, dass die Kriterien des Passens begrifflich unscharf, ja &#8222;dunkel&#8220; bleiben, so dass man sich mit mehr oder minder treffenden Metaphern wie derjenigen einer musikalischen &#8222;Antwort&#8220; oder aber mit Gesten, die das Sagen durch ein Zeigen ersetzen, behelfen muss. <em>Positiv<\/em> an Wittgensteins Fassung \u00e4sthetischer Erfahrung ist hingegen die gelingende Vermittlung von Subjekt und Objekt der \u00e4sthetischen Erfahrung im Augenblick des Aufleuchtens des Aspekts, und <em>positiv<\/em> ist die bei Wittgenstein stets vorausgesetzte M\u00f6glichkeit, die divergierenden Aspekte in einem \u00fcbergeordneten Verstehen zu integrieren, weswegen er sich nicht scheut, richtige von falschen Auffassungen des k\u00fcnstlerischen Wahrnehmungsgegenstands zu unterscheiden.<br \/>\nWittgensteins Ausf\u00fchrungen machen \u00fcberdies klar, dass wir an jedem Kunstwerk nicht nur andere Erfahrungen machen, sondern dass dieses je Andere sowohl f\u00fcr die Erfahrung als auch f\u00fcr das Verstehen des Kunstwerks pr\u00e4gend ist. Denn auch wenn Wittgenstein das Ph\u00e4nomen, dass ein Kunstwerk seinen Aspekt wechseln kann, als f\u00fcr die Kunsterfahrung wesentlich bestimmt, ist der Aspektwechsel keineswegs schon der eigentliche Gehalt der \u00e4sthetischen Erfahrung, sondern lediglich der Ausgangspunkt eines komplexen Verstehensprozesses, der die unterschiedlichen Aspekte, die im Kunstwerk aufleuchten, aufeinander zu beziehen und in ihrem Verh\u00e4ltnis zueinander zu bestimmen hat. Dabei sind die ins Spiel kommenden Aspekte &#8211; und damit auch der Wechsel zwischen ihnen &#8211; f\u00fcr jedes Kunstwerk spezifisch. Die Erfahrung, dass ein bestimmtes Lineament sowohl iterativ als auch kontingent, sowohl eine Wand als auch ein unbegrenzter Tiefenraum, sowohl eine Expression eines Subjekts als auch eine Darstellung von Naturkr\u00e4ften sein kann, l\u00e4sst sich so nur an Pollocks Gem\u00e4lden, ja mehr noch, <em>in dieser Weise<\/em> nur an <em>Number 32<\/em> machen.<br \/>\nIndem die Kunsterfahrung f\u00fcr Wittgenstein nicht nur bestimmte Verm\u00f6gen im Subjekt erschlie\u00dft, sondern ausdr\u00fccklich auf ein je besonderes Kunstwerk bezogen ist, das in dieser Erfahrung in seiner Besonderheit erschlossen wird, wird deutlich, dass die <em>Erfahrung<\/em> des Kunstwerks bereits in dessen <em>Interpretation<\/em> hin\u00fcberspielt. Der Aspekt ist, so Wittgenstein, ein Erfahrungsbegriff. Er ist zugleich ein Begriff kunstwissenschaftlicher Hermeneutik.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/aesthetische-erfahrung-kunst-wahrnehmung-betrachter\/\">Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/pollock-kambartel-bildformat-all-over-action-painting\/\">Kapitel I: Pollock &#8211; nach Kambartel <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/wittgenstein-philosophische-untersuchungen-aspekt-aspektwechsel\/\">Kapitel II: Wittgensteins Aspektbegriff<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/wittgenstein-hase-ente-kopf-kunst-aspektwechsel\/\">Kapitel III: Aspektwechsel und Kunst<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/wittgenstein-aspekt-bewertung-passen-verstehen\/\">Kapitel IV: &#8222;Passen&#8220;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt Manet Velazquez\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/wittgenstein-kunstwerk-aspekt-erfahrung-interpretation\/\">Kapitel V: Erfahrung und Interpretation<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/das-medium-der-aesthetischen-erfahrung.pdf\">Das Medium der \u00e4sthetischen Erfahrung als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.171 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Medium der \u00e4sthetischen Erfahrung als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.171 KB) Das Medium der \u00e4sthetischen Erfahrung Wittgensteins Aspektbegriff, exemplifiziert an Pollocks Malerei in: Imagin\u00e4re Medialit\u00e4t &#8211; Immaterielle Medien, hrsg. von Gertrud Koch, Kirsten Maar und Fiona McGovern, M\u00fcnchen 2012, S. 125-142. Kapitel V: Erfahrung und Interpretation Wittgenstein betrachtet Kunstwerke als Angebote und &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wittgenstein-kunstwerk-aspekt-erfahrung-interpretation\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eWittgenstein Kunstwerk Aspekt Erfahrung Interpretation\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/716\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}