{"id":657,"date":"2011-09-04T10:49:12","date_gmt":"2011-09-04T08:49:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=657"},"modified":"2011-09-04T10:49:12","modified_gmt":"2011-09-04T08:49:12","slug":"kunst-design-werbung-comic","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/kunst-design-werbung-comic\/","title":{"rendered":"Kunst Design Werbung Comic"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/oldenburg-e-versus-u.pdf\"><span style=\"font-family: verdana; font-size: xx-small;\">Die Kunst und ihr Au\u00dfen als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.430 KB)<\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Die Kunst und ihr Au\u00dfen \u2013 Am Beispiel von Claes Oldenburgs <em>The Store<\/em><\/h2>\n<p><small>in: Zwischen \u201eU\u201c und \u201eE\u201c. Grenz\u00fcberschreitungen in der Musik nach 1950, hrsg. von Friedrich Geiger und Frank Hentschel, Frankfurt am Main 2011, S.  173 \u2013 194.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel IV: Die Kunst und ihr Au\u00dfen<\/h3>\n<p>Es bleibt die Frage danach, ob wir etwa in Design, Werbung und Comic die gesuchte Entsprechung zur U-Musik finden. Gewiss sammeln Institutionen wie das <em>Museum of Modern Art<\/em> neben der bildenden Kunst auch Designobjekte, Plakate und Comics. Und so wie es dem Kunden im CD-Laden \u00fcberlassen bleibt, nach links in die Abteilung f\u00fcr \u201aNeue Musik\u2018 oder aber nach rechts in den Schlager-Sektor abzubiegen, steht es dem Besucher des <em>MoMA<\/em> frei, italienisches Autodesign der 1950er Jahre zu bewundern, falls er kein Verlangen nach Malerei versp\u00fcrt. Doch diese Sammlungsbereiche sind nicht Unterhaltungskunst in Abgrenzung zu ernster Kunst. Die Institutionen und Diskurse ordnen die Grenzen hier anders: Sie verlaufen schlicht und einfach zwischen Kunst und allem anderen. Das degradiert die Designobjekte keinesfalls, weder materiell noch ideell. Es handelt sich um eine wertfreie Kategorisierung, nicht um eine Hierarchisierung von Objekten. Die beiden Bereiche \u2013 hier die Kunst, dort ihr Au\u00dfen \u2013 werden nicht wie bei der Musik durch den kategorialen \u00dcberbegriff \u201aBildende Kunst\u2018 zusammengehalten, um dann sekund\u00e4r in Unterkategorien aufgeteilt zu werden. Die unterschiedlichen Sammlungsteile des <em>MoMA<\/em> werden lediglich \u00fcberw\u00f6lbt von einem verallgemeinerten Begriff des \u00c4sthetischen und einem unscharfen Begriff gestalteter Form.<br \/>\nWas die Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts vorantrieb, waren dementsprechend nicht allein die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen k\u00fcnstlerischen Subfeldern, sondern dar\u00fcber hinaus der weite Bereich des Visuellen und Dinghaften jenseits der Kunst: der Bereich der Nicht-Kunst in tausenderlei Gestalt \u2013 gewisserma\u00dfen die Welt selbst. F\u00fcr Marcel Duchamp waren es gew\u00f6hnliche Industrieprodukte wie eine Schneeschaufel oder ein Kamm, f\u00fcr die Surrealisten Schaufensterpuppen, f\u00fcr den sp\u00e4ten Piet Mondrian der Stra\u00dfenverkehr New Yorks, f\u00fcr die Pop-K\u00fcnstler Comics und Werbeplakate, f\u00fcr die Nouveau R\u00e9alistes ein abgegessener Restauranttisch oder ein geschreddertes Automobil. Aufgrund der radikalen Offenheit und Nicht-Systematisierbarkeit dessen, was die Kunst an Nicht-K\u00fcnstlerischem in immer neuen Sch\u00fcben integrierte, wurde das Spiel der Grenz\u00fcberschreitung nicht nur zwischen distinkten k\u00fcnstlerischen Sub-Feldern gespielt, sondern insbesondere auch an der Grenze der Kunst. Diese Differenz zwischen Musik und bildender Kunst scheint so grunds\u00e4tzlich zu sein, dass sie auch dann noch relevant bleibt, wenn man das musiksystematische \u201aU-versus-E\u2018-Modell mit Blick auf das tats\u00e4chliche Musikgeschehen als verk\u00fcrzend oder gar ideologisch kritisiert.<br \/>\nEs gibt immer mehrere M\u00f6glichkeiten, die Grenz\u00fcberschreitungen der bildenden Kunst in Richtung Nicht-Kunst zu verstehen: Man kann sie <em>erstens<\/em> kulturhistorisch deuten, und zwar als die Neuausrichtung k\u00fcnstlerischer Sensibilit\u00e4t angesichts zivilisatorischer Umbr\u00fcche, welche die Weltwahrnehmung insgesamt ver\u00e4ndern. Sie erscheinen dann als Reaktionen auf eine andere Wirklichkeit, mit der sich auch die k\u00fcnstlerische Form zu \u00e4ndern hat. Grenz\u00fcberschreitungen lassen sich <em>zweitens<\/em> als markanter Positionsbezug innerhalb des k\u00fcnstlerischen Feldes verstehen, als Bezug einer noch unbesetzten Position, die Inhalte oder Materialien aufnimmt, welche vormals als au\u00dferk\u00fcnstlerisch galten. <em>Drittens<\/em> lassen sich Grenz\u00fcberschreitungen aber auch als (neo-)avantgardistische Strategie der Verschmelzung von Kunst und Leben auffassen, die sich gegen die Entfremdung des k\u00fcnstlerischen Tuns von den sonstigen gesellschaftlichen Prozessen wendet und damit bewusst dessen autonomen Status \u00fcberschreiten m\u00f6chte. Verbunden damit erscheinen sie als kritische Intervention in die Wirklichkeit gesellschaftlicher bzw. k\u00fcnstlerischer Ordnungen. S\u00e4mtliche dieser Motivationen der Grenzst\u00f6rung haben erfahrungs\u00e4sthetisch zur Folge, dass das Kunstwerk in seinem Status unsicher wird und zu oszillieren beginnt. Kunststrategische sowie realistisch-wirklichkeitsbezogene Motivationen der Grenz\u00fcberschreitung k\u00f6nnen sich dabei, wie abschlie\u00dfend anhand von Claes Oldenburgs <em>The Store<\/em> aufgezeigt werden soll, vielf\u00e4ltig \u00fcberlagern.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-oekonomie-ware-design\/\">Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-institutionen-museum-kunsthandel\/\">Kapitel I: Die institutionelle Perspektive<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-objekt-kunstmesse-auktion\/\">Kapitel II: Die mediale Perspektive<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-publikum-museum-documenta-pop-art\/\">Kapitel III: Die Popularit\u00e4t der Kunst, oder: Gibt es in der bildenden Kunst einen Bereich des \u201aU\u2018?<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-design-werbung-comic\/\">Kapitel IV: Die Kunst und ihr Au\u00dfen<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Pfeil\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claes-oldenburg-the-store-kunst-ware\/\">Kapitel V: Ein konkretes Beispiel: Claes Oldenburgs \u201aThe Store\u2018<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claes-oldenburg-the-store-koerper-raum\/\">Kapitel VI: Die \u201aBeseelung\u2018 der Dinge<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claes-oldenburg-the-store-aesthetische-grenze\/\">Kapitel VII: Die St\u00f6rung der \u00e4sthetischen Grenze<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/oldenburg-e-versus-u.pdf\">Die Kunst und ihr Au\u00dfen als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.430 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kunst und ihr Au\u00dfen als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.430 KB) Die Kunst und ihr Au\u00dfen \u2013 Am Beispiel von Claes Oldenburgs The Store in: Zwischen \u201eU\u201c und \u201eE\u201c. Grenz\u00fcberschreitungen in der Musik nach 1950, hrsg. von Friedrich Geiger und Frank Hentschel, Frankfurt am Main 2011, S. 173 \u2013 194. 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