{"id":653,"date":"2011-09-04T10:41:23","date_gmt":"2011-09-04T08:41:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=653"},"modified":"2011-09-04T10:41:23","modified_gmt":"2011-09-04T08:41:23","slug":"kunst-objekt-kunstmesse-auktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/kunst-objekt-kunstmesse-auktion\/","title":{"rendered":"Kunst Objekt Kunstmesse Auktion"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/oldenburg-e-versus-u.pdf\"><span style=\"font-family: verdana; font-size: xx-small;\">Die Kunst und ihr Au\u00dfen als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.430 KB)<\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Die Kunst und ihr Au\u00dfen \u2013 Am Beispiel von Claes Oldenburgs <em>The Store<\/em><\/h2>\n<p><small>in: Zwischen \u201eU\u201c und \u201eE\u201c. Grenz\u00fcberschreitungen in der Musik nach 1950, hrsg. von Friedrich Geiger und Frank Hentschel, Frankfurt am Main 2011, S.  173 \u2013 194.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel II: Die mediale Perspektive<\/h3>\n<p>Diese Feststellung f\u00fchrt uns zu den medialen Eigenheiten von Kunst und Musik: In den bildenden K\u00fcnsten handelt es sich weithin (und trotz vieler Anstrengungen der Avantgarden, gegen diesen Sachverhalt anzuk\u00e4mpfen) um einmalige Objekte, die unter eindeutigen Eigentumsverh\u00e4ltnissen stehen. Dieser Dingcharakter des Kunstwerks f\u00fchrt nicht nur zu seiner spezifischen Warenform, vielmehr kann das Kunstwerk den Charakter einer Aktie annehmen, deren Wert von der Entwicklung und Vermarktung des K\u00fcnstlers abh\u00e4ngt. Selbst dort, wo sich die Kunst wie die Musik auf reproduktive Massenmedien st\u00fctzt (Grafiken, Videos, Fotografien), st\u00f6\u00dft man im Allgemeinen auf limitierte Auflagen, durch die sich der Unikatcharakter und damit die \u201aauratische\u2018 Qualit\u00e4t des Kunstwerks als raumzeitliche Singularit\u00e4t wieder herstellt.<br \/>\nAuf den popul\u00e4ren Kunstmessen, etwa der <em>Art Basel<\/em>, sind bedeutende Arbeiten bereits vor Messebeginn reserviert, wenige Stunden nach der Er\u00f6ffnung sind viele St\u00e4nde komplett ausverkauft, wobei sogenannte \u201asignature pieces\u2018, die Arbeiten von gerade angesagten K\u00fcnstlern, besonders stark umk\u00e4mpft sind. Hier dominiert allein die Binarit\u00e4t von A- und B-Ware, hoher und niedriger Rentabilit\u00e4t. Wer auf dem Markt etabliert ist, steigt immer weiter im Preis. Dies erzeugt einen \u201aWinner-takes-it-all-Effekt\u2018, eine enorme preisliche Differenz zwischen \u201abilliger\u2018 und \u201ateurer\u2018 Kunst.<br \/>\nNoch eindeutiger pr\u00e4sentiert sich der Waren- bzw. Aktiencharakter der Kunstwerke im secondary market der Auktionsh\u00e4user. 2007 setzten die New Yorker Herbst-Auktionen rund 1,3 Milliarden Dollar um, wobei ein enormer Preisanstieg zu verzeichnen war. Die Werke der bildenden Kunst sind in ganz besonderem Ma\u00dfe Gegenst\u00e4nde der Spekulation, wobei an diesen Transaktionen selbst Hedge-Fonds beteiligt sind; dies erkl\u00e4rt auch, weshalb Einbr\u00fcche an den Devisenm\u00e4rkten solche an den Kunstm\u00e4rkten unmittelbar nach sich ziehen.<br \/>\nWie das \u00f6konomische System der Musik, so gehorcht also auch das \u00f6konomische System der bildenden Kunst einer Logik des Tauschwerts, welche die soziale \u00d6konomie des Statuswerts sowie die individuelle \u00d6konomie des Begehrens einschlie\u00dft. Doch ist die soziale Zugangsschwelle zum Markt der bildenden Kunst weit h\u00f6her als zu dem der massenmedial verbreiteten musikalischen Produktion, denn schon das Gem\u00e4lde eines unbekannten K\u00fcnstlers kostet, erworben in einer Galerie, mindestens einen vierstelligen Euro-Betrag. Durch den Besitz von Kunst artikulieren sich also soziale Tatsachen: Wer Kunst bei sich zuhause haben m\u00f6chte, muss einen hohen \u201aMitgliedsbeitrag\u2018 entrichten, den sich nicht jeder leisten kann. Mehr als musikalische Produktionen, deren wirtschaftliche Rentabilit\u00e4t von der massenweisen Verbreitung von Reproduktionsmedien und damit in einem viel h\u00f6herem Ma\u00dfe vom Zuspruch eines gro\u00dfen Publikums abh\u00e4ngt, wird der Wert eines Kunstwerks in einem schwer durchschaubaren Marktgeschehen ausgehandelt, das mit demjenigen anderer knapper G\u00fcter vergleichbar ist.<br \/>\nIn Museen und Ausstellungen werden die \u00f6konomischen Verflechtungen und das materielle Gewicht der Sammlung allerdings weitgehend ausgeblendet und damit die Trennung von Kunst und \u00d6konomie scheinbar aufrecht erhalten. In den Galerien hingegen m\u00fcsste man sich der wirtschaftlichen Motivation zwar eigentlich bewusst sein, doch verdr\u00e4ngt die Illusion des White Cube das Gesch\u00e4ftliche in die Hinterzimmer.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-oekonomie-ware-design\/\">Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-institutionen-museum-kunsthandel\/\">Kapitel I: Die institutionelle Perspektive<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-objekt-kunstmesse-auktion\/\">Kapitel II: Die mediale Perspektive<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Pfeil\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-publikum-museum-documenta-pop-art\/\">Kapitel III: Die Popularit\u00e4t der Kunst, oder: Gibt es in der bildenden Kunst einen Bereich des \u201aU\u2018?<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-design-werbung-comic\/\">Kapitel IV: Die Kunst und ihr Au\u00dfen<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claes-oldenburg-the-store-kunst-ware\/\">Kapitel V: Ein konkretes Beispiel: Claes Oldenburgs \u201aThe Store\u2018<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claes-oldenburg-the-store-koerper-raum\/\">Kapitel VI: Die \u201aBeseelung\u2018 der Dinge<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claes-oldenburg-the-store-aesthetische-grenze\/\">Kapitel VII: Die St\u00f6rung der \u00e4sthetischen Grenze<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/oldenburg-e-versus-u.pdf\">Die Kunst und ihr Au\u00dfen als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.430 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kunst und ihr Au\u00dfen als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.430 KB) Die Kunst und ihr Au\u00dfen \u2013 Am Beispiel von Claes Oldenburgs The Store in: Zwischen \u201eU\u201c und \u201eE\u201c. Grenz\u00fcberschreitungen in der Musik nach 1950, hrsg. von Friedrich Geiger und Frank Hentschel, Frankfurt am Main 2011, S. 173 \u2013 194. 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