{"id":633,"date":"2011-06-19T10:21:13","date_gmt":"2011-06-19T08:21:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=633"},"modified":"2011-06-19T10:21:13","modified_gmt":"2011-06-19T08:21:13","slug":"kunst-spiel-ernst-caillois-pfaller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/kunst-spiel-ernst-caillois-pfaller\/","title":{"rendered":"Kunst Spiel Ernst Caillois Pfaller"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/einsatz-der-autonomie.pdf\"><span style=\"font-size: xx-small; font-family: verdana;\">Der Einsatz der Autonomie als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.054 KB)<\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Der Einsatz der Autonomie. Spieldimensionen in der Kunst der Moderne<\/h2>\n<p><small>in: Faites vos jeux! Kunst und Spiel seit Dada, Katalog Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz; Akademie der K\u00fcnste, Berlin; Museum f\u00fcr Gegenwartskunst, Siegen, hrsg. von Nike B\u00e4tzner, Ostfildern-Ruit 2005, S. 37-46.<\/small><\/p>\n<h3>5. Res\u00fcmee<\/h3>\n<p>Zwei grundlegende Aspekte des modernen Verh\u00e4ltnisses zwischen Spiel und Kunst seien abschlie\u00dfend festgehalten. Erstens: Nach Caillois geh\u00f6rt die Kunst &#8211; ebenso wie die Arbeit &#8211; deswegen nicht in den Bereich des Spiels, weil Kunst und Arbeit Werke hervorbr\u00e4chten, das Spiel aber nicht. Dieses ersch\u00f6pfe sich vielmehr in der Spielbewegung, bei deren Beendigung nichts \u00fcbrig bleibe und alles zum Ausgangspunkt zur\u00fcckkehre. Obschon Caillois&#8216; Unterscheidung prinzipiell zutrifft, verschleift sie sich in der k\u00fcnstlerischen Moderne. Denn deren Wendung zum Prozessualen f\u00fchrt dazu, weniger das Gemachte, vielmehr das Machen selbst als den eigentlichen Inhalt der Kunst anzusehen. Die Form wird durch den Akt der Formation, das Werk durch dessen Performativit\u00e4t ersetzt. Dabei geht es nicht l\u00e4nger um vorgegebene Identit\u00e4ten &#8211; des darzustellenden Objekts oder des darstellenden Subjekts -, sondern darum, diese im offenen Werkprozess in spielerischer Schwebe zu halten. Je mehr in der Moderne das Werk mit dem performativen Akt seiner Hervorbringung zusammenf\u00e4llt, desto geringer wird die Trennsch\u00e4rfe zwischen Kunst und Spiel.<br \/>\nZweitens: Die Zentralit\u00e4t der Spielkategorie f\u00fcr die Kunst der Moderne enth\u00fcllt das Janusgesicht \u00e4sthetischer Autonomie. Die Kunst erwirbt die Freiheit, alles in die Perspektive ihres Spiels hineinzuziehen. In ein spielerisches Verh\u00e4ltnis zu Haltungen, Werten, Identit\u00e4ten, Gegenst\u00e4nden und Begriffen zu treten, er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit der (selbst-)kritischen und (selbst-)reflexiven Distanznahme und erzeugt jene Leichtigkeit, die jeder Zugewinn an Spielraum mit sich bringt. Allerdings erneuert eine Kunst, die sich dem Spiel verschreibt, das alte Unbehagen gegen\u00fcber ihrer m\u00f6glichen Folgenlosigkeit f\u00fcr das Leben. Indem sie von den Zw\u00e4ngen und Notwendigkeiten der Welt spielerisch Abstand nimmt, erscheint sie als Bereich vermiedener Verantwortung, als spielerischer Immoralismus angesichts der dr\u00e4ngenden Fragen einer problembeladenen Gegenwart. Doch es verh\u00e4lt sich wom\u00f6glich genau umgekehrt. Wie Robert Pfaller herausfordernd argumentiert, gibt es keine ernstere und unbedingtere T\u00e4tigkeit als das Spiel. Gerade der Spieler ist nicht bei sich, sondern ger\u00e4t zuweilen v\u00f6llig au\u00dfer sich. Sobald er ins Spiel eintritt, ist er nicht frei, sondern wird g\u00e4nzlich vom Spiel beherrscht. Dessen selbstzweckhafter Charakter hat, so Pfaller, den tyrannischen Zug, von uns eine unbedingte Folgeleistung zu fordern, ohne daf\u00fcr einen Grund anzugeben. Das Spiel entlastet uns demnach, so seine Schlussfolgerung, keineswegs vom Ernst der Wirklichkeit, sondern er\u00f6ffnet vielmehr die M\u00f6glichkeit, uns in den Ernst der Wirklichkeit einzu\u00fcben, der uns, verglichen mit dem Zwang des Spiels, mit einem Male ertr\u00e4glich erscheint. Was Pfaller f\u00fcr das Spiel bemerkt, l\u00e4sst sich <em>mutatis mutandis<\/em> auf die Kunst \u00fcbertragen. In einer Welt, in der die Bindungen und Anforderungen immer abstrakter und relativer werden, bietet die Sinntotalit\u00e4t, Pl\u00f6tzlichkeit und Unmittelbarkeit der Kunst eine M\u00f6glichkeit, in ein unbedingtes, uns f\u00fcr den Augenblick des Kunstspiels g\u00e4nzlich ausf\u00fcllendes Beziehungsgef\u00fcge einzutreten, dessen Erfahrung wir vielleicht ins wirkliche Leben hin\u00fcber retten k\u00f6nnen.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-spiel-illusion-repraesentation-autonomie\/\">1. Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/werk-spiel-offenheit-sinn\/\">2. Das Werk als Spiel<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fischli-weiss-lauf-der-dinge-signer\/\">3. Das Spiel mit dem Betrachter<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kuenstler-spieler-rolle-duchamp\/\">4. Der K\u00fcnstler als Spieler<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Kapitel\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-spiel-ernst-caillois-pfaller\/\">5. Res\u00fcmee<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/einsatz-der-autonomie.pdf\">Der Einsatz der Autonomie als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.054 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einsatz der Autonomie als Druckversion (PDF mit Abb. u. 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