{"id":623,"date":"2011-06-19T10:04:03","date_gmt":"2011-06-19T08:04:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=623"},"modified":"2011-06-19T10:04:03","modified_gmt":"2011-06-19T08:04:03","slug":"kunst-spiel-illusion-repraesentation-autonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/kunst-spiel-illusion-repraesentation-autonomie\/","title":{"rendered":"Kunst Spiel Illusion Repr&#228;sentation Autonomie"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/einsatz-der-autonomie.pdf\"><span style=\"font-family: verdana; font-size: xx-small;\">Der Einsatz der Autonomie als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.054 KB)<\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Der Einsatz der Autonomie. Spieldimensionen in der Kunst der Moderne<\/h2>\n<p><small>in: Faites vos jeux! Kunst und Spiel seit Dada, Katalog Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz; Akademie der K\u00fcnste, Berlin; Museum f\u00fcr Gegenwartskunst, Siegen, hrsg. von Nike B\u00e4tzner, Ostfildern-Ruit 2005, S. 37-46.<\/small><\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8222;Wenn man den Leuten nur begreiflich machen k\u00f6nnte, dass es mit der Sprache wie mit den mathematischen Formeln sei &#8211; Sie machen eine Welt f\u00fcr sich aus &#8211; Sie spielen nur mit sich selbst, und eben darum sind sie so ausdrucksvoll &#8211; eben darum spiegelt sich in ihnen das seltsame Verh\u00e4ltnisspiel der Dinge.&#8220;<\/em> (Novalis, <em>Monolog<\/em>, 1798\/99)<\/p>\n<\/blockquote>\n<h3>1. Einleitung <\/h3>\n<p>Bis ins 19. Jahrhundert hinein werden in der Kunst die Bereiche und Funktionen des Spielerischen durch den Begriff der Illusion bestimmt. <em>In-lusio<\/em> &#8211; im Spiel sein oder ins Spiel eintreten &#8211; bedeutet, sich f\u00fcr eine bestimmte Zeit dem Fiktionsraum der Kunst zu \u00fcberlassen, ohne allerdings das Bewusstsein der Fiktionalit\u00e4t zu verlieren. Bei einem zentralperspektivischen Bild oder dem Trompe-l&#8217;\u0153il eines barocken Deckengem\u00e4ldes, das den Blick in den Himmel zu er\u00f6ffnen scheint, gen\u00fcgt ein Schritt zur Seite, um sie als T\u00e4uschung zu erkennen. Das Wechselspiel von Illusionserzeugung und Desillusionierung macht den Reiz dieser Kunstformen aus, die materielles Faktum und immateriellen Effekt gegeneinander ausspielen und den Betrachter in dieses Spiel hineinziehen. Allerdings kennt es lediglich zwei Eins\u00e4tze, n\u00e4mlich Sein und Schein des Bildes, womit die Spielm\u00f6glichkeiten ebenso klar bestimmt wie beschr\u00e4nkt sind. Der Illusionismus der \u00e4lteren Kunst hatte seine magische Seite darin, etwas Abwesendes anwesend machen zu k\u00f6nnen. Damit war er unmittelbar mit der Repr\u00e4sentationsleistung der Kunst verbunden, welche die Kunst im gesellschaftlichen Gef\u00fcge ihrer Zeit verankerte. Das Illusionsspiel war demnach weder ein Spiel mit offenem Ausgang, noch kreiste es selbstzweckhaft in sich.<\/p>\n<\/p>\n<p>Im komplexen Autonomisierungsprozess der Kunst in der Moderne l\u00f6st sich die Kunst nicht nur vom Illusionismus, sondern damit zugleich auch von der Repr\u00e4sentationsfunktion. Sie entbindet sich von der Aufgabe, einem gesellschaftlichen Auftrag zu gehorchen oder einer Sache zu dienen &#8211; beispielsweise der Sache des Staates &#8211; und weist zuweilen sogar die Verpflichtung zur\u00fcck, \u00fcberhaupt etwas aussagen zu m\u00fcssen. Daraus erkl\u00e4rt sich die zunehmende Tendenz zur Offenheit und zum Unvollendeten, denn beides unterl\u00e4uft die M\u00f6glichkeit, dem Bild eine bestimmte Aussage abfordern zu k\u00f6nnen. Dadurch wird das Verh\u00e4ltnis von Kunst und Spiel entschieden komplexer, aber auch problematischer. Im Spielerischen entdeckt die Kunst eine M\u00f6glichkeit, sowohl eine neuartige Beziehung zur Wirklichkeit aufzubauen als auch neue kommunikative Bande zu einem Publikum zu kn\u00fcpfen, das ihr mit zunehmendem Unverst\u00e4ndnis gegen\u00fcbertritt. \u00dcberdies findet sie darin einen Modus, \u00fcber sich selbst zu reflektieren, nachdem die eigene Funktion und Legitimation fraglich geworden sind. \u00dcberspitzt formuliert, kompensiert die Kunst als Spiel jenes Ende, das Hegel ihr bescheinigte, als er ihre Repr\u00e4sentationsfunktion schwinden sah. Je nachdem, welchen Sinn und Wert man dem Spiel \u00fcberhaupt zumisst, kann diese Kompensation negativ oder positiv gesehen werden. Entweder erscheint sie als Abgleiten der Kunst ins blo\u00df Spielerische, womit diese der bindenden Kraft der alten Kunst verlustig gehe, oder genau umgekehrt als Verwirklichung jenes Verm\u00f6gens, das den Menschen erst zum Menschen mache und in dem Johan Huizinga den Ursprung der Kultur erkannte.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Kapitel\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-spiel-illusion-repraesentation-autonomie\/\">1. Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Kapitel\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/werk-spiel-offenheit-sinn\/\">2. Das Werk als Spiel<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fischli-weiss-lauf-der-dinge-signer\/\">3. Das Spiel mit dem Betrachter<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kuenstler-spieler-rolle-duchamp\/\">4. Der K\u00fcnstler als Spieler<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/kunst-spiel-ernst-caillois-pfaller\/\">5. Res\u00fcmee<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/einsatz-der-autonomie.pdf\">Der Einsatz der Autonomie als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.054 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einsatz der Autonomie als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 3.054 KB) Der Einsatz der Autonomie. Spieldimensionen in der Kunst der Moderne in: Faites vos jeux! 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