{"id":422,"date":"2009-06-07T10:03:45","date_gmt":"2009-06-07T08:03:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=422"},"modified":"2009-06-07T10:03:45","modified_gmt":"2009-06-07T08:03:45","slug":"manet-kunstgeschichte-tradition-moderne-impressionismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/manet-kunstgeschichte-tradition-moderne-impressionismus\/","title":{"rendered":"Manet Kunstgeschichte Tradition Moderne Impressionismus"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/manet-velazquez.pdf\"><font size=\"1\" face=\"verdana\">Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Manets Reise zu Vel\u00e1zquez und das Problem der kunstgeschichtlichen Genealogie<\/h2>\n<p><small>in: Umwege. \u00c4sthetik und Poetik exzentrischer Reisen, hrsg. von Bernd Blaschke, Rainer Falk, Dirck Linck, Oliver Lubrich, Friederike Wi\u00dfmann und Volker Woltersdorff, Bielefeld 2008, S. 119-158.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel VI: Tradition und\/oder Modernit\u00e4t<\/h3>\n<p>Den Aspekten des Verh\u00e4ltnisses zwischen Manet und Vel\u00e1zquez, die M&#8217;Uzans psychoanalytische Theorie k\u00fcnstlerischer Produktivit\u00e4t zu erkennen erlaubt, ist allerdings der geschichtliche bzw. genealogische Aspekt hinzuzuf\u00fcgen, da\u00df Vel\u00e1zquez eine Instanz war, die Manet mit der vormodernen grande peinture in Ber\u00fchrung bringen konnte. Sobald man die Motive von Manets Spanienreise aufbl\u00e4ttert, entsteht das Bild eines K\u00fcnstlers, das so gar nicht dem Mythos jener Moderne entsprechen will, welche die Vergangenheit liquidierte, um g\u00e4nzlich neu anzusetzen. Genau gegenl\u00e4ufig dazu bezeugt Manets gesamtes \u0152uvre das starke Verlangen nach Verankerung in einer Tradition, die sein Tun sanktionieren konnte. Allerdings sah sich Manet gezwungen, diese Tradition in einer paradoxen Bewegung selbst zu erfinden, das hei\u00dft die ihn legitimierende Autorit\u00e4t selbst einzusetzen. Traditions- und Selbsterfindung begr\u00fcndeten sich dabei wechselseitig. Die &#8222;Aufgabe der Ausarbeitung seiner selbst&#8220;, die Michel Foucault als Kern der condition moderne begriff, schlo\u00df f\u00fcr Manet beides gleicherma\u00dfen ein. Dadurch schuf er sich eine k\u00fcnstlerische Position, die ihn, wie schlie\u00dflich anerkannt wurde, zugleich als letzten Sohn der Tradition und als Gr\u00fcndungsvater der Moderne auswies. Man kann sich die Erarbeitung dieser Position kaum schwierig genug vorstellen. Denn sie vollzog sich in einem polarisierten k\u00fcnstlerischen Umfeld, das den Willen, den radikalen Neuanfang mit der Tradition der klassischen Kunst zu verklammern, als ausgeschlossenes Drittes begreifen mu\u00dfte &#8211; unverstanden von den Vertretern jener akademischen Tradition, die im besten Falle ausgelaugt erschien, im schlimmsten Falle die Verlogenheit aufwies, die dem Kunstgeschmack des Zweiten Kaiserreichs entsprach; unverstanden aber auch von den jungen, bald als \u201aImpressionisten&#8216; bezeichneten Malern, welche in die freie Natur zogen, um jenseits der Tradition neu sehen und malen zu lernen. Diesbez\u00fcglich ist signifikant, da\u00df Manet sein Leben lang darauf beharrte, im Salon auszustellen, selbst als er von den sich formierenden Impressionisten gebeten wurde, sich ihren sezessionistischen Ausstellungen anzuschlie\u00dfen. Denn der Salon, in dem Traditionalisten und Modernisten aufeinandertrafen, war f\u00fcr ihn der einzig passende Ort f\u00fcr seine zweipolige k\u00fcnstlerische Ambition.<\/p>\n<p>Manets Position erweist sich als ein Scharnier, das Tradition und Moderne ebenso trennt wie verbindet. Beim Beharren auf dieser unm\u00f6glichen Position half ihm die Identifikationsfigur des \u201ama\u00eetre Vel\u00e1zquez&#8216;, zu welcher er 1865, im Augenblick der gr\u00f6\u00dften Krise seiner k\u00fcnstlerischen Biographie, aufbrach, um mit ihr im Prado eine Art B\u00fcndnis zu schlie\u00dfen. Indem dieses B\u00fcndnis offenlie\u00df, wer in wessen Abh\u00e4ngigkeit stand, trug es dasselbe Doppelgesicht wie Manets Malerei.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-velazquez-krise-spanien-reise\/\">Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-paris-zweites-kaiserreich-napoleon-eugenie\/\">Kapitel I: Spanien in Paris<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-salon-gautier-olympia-goya\/\">Kapitel II: Der Z\u00f6gling Goyas<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-prado-velazquez-goya-balkon\/\">Kapitel III: Ma\u00eetre Vel\u00e1zquez<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/auguste-manet-leon-suzanne-leenhoff-koella\/\">Kapitel IV: Legitimit\u00e4t, Vaterschaft und Tradition, Teil 1<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/autonomie-academie-salon-velazquez-tradition\/\">Kapitel IV: Legitimit\u00e4t, Vaterschaft und Tradition, Teil 2<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-pfeiffer-zola-velazquez-meninas-selbstportrait\/\">Kapitel V: Vel\u00e1zquez als \u201ainnere Figur&#8216;, Teil 1<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-psychoanalyse-muzan-alter-ego\/\">Kapitel V: Vel\u00e1zquez als \u201ainnere Figur&#8216;, Teil 2<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt Manet Velazquez\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-kunstgeschichte-tradition-moderne-impressionismus\/\">Kapitel VI: Tradition und\/oder Modernit\u00e4t<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/manet-velazquez.pdf\">Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB) Manets Reise zu Vel\u00e1zquez und das Problem der kunstgeschichtlichen Genealogie in: Umwege. \u00c4sthetik und Poetik exzentrischer Reisen, hrsg. von Bernd Blaschke, Rainer Falk, Dirck Linck, Oliver Lubrich, Friederike Wi\u00dfmann und Volker Woltersdorff, Bielefeld 2008, S. 119-158. 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