{"id":409,"date":"2009-06-07T09:48:01","date_gmt":"2009-06-07T07:48:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=409"},"modified":"2009-06-07T09:48:01","modified_gmt":"2009-06-07T07:48:01","slug":"manet-prado-velazquez-goya-balkon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/manet-prado-velazquez-goya-balkon\/","title":{"rendered":"Manet Prado Vel\u00e1zquez Goya Balkon"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/manet-velazquez.pdf\"><font size=\"1\" face=\"verdana\">Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Manets Reise zu Vel\u00e1zquez und das Problem der kunstgeschichtlichen Genealogie<\/h2>\n<p><small>in: Umwege. \u00c4sthetik und Poetik exzentrischer Reisen, hrsg. von Bernd Blaschke, Rainer Falk, Dirck Linck, Oliver Lubrich, Friederike Wi\u00dfmann und Volker Woltersdorff, Bielefeld 2008, S. 119-158.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel III: Ma\u00eetre Vel\u00e1zquez<\/h3>\n<p>Die Fahrt in das pittoreske Spanien, das Manets \u0152uvre bislang evoziert hatte, war jedoch wider Erwarten kurz: Schon zehn Tage sp\u00e4ter war Manet wieder in Frankreich, und ein entsetzter Astruc mu\u00dfte erfahren, da\u00df seine zahlreichen Hinweise auf Sehensw\u00fcrdigkeiten und Exkursionsm\u00f6glichkeiten in den Wind geschrieben waren. Geflohen sei er, wie Manet andeutete, vor der spanischen K\u00fcche, die seinem Pariser Magen nicht bekommen sei. Das d\u00fcrfte nicht der einzige Grund f\u00fcr die vorzeitige R\u00fcckreise gewesen sein. In den Briefen an Fantin-Latour, Baudelaire und Astruc, in denen Manet von der Reise berichtete, spricht er keineswegs von einer vorzeitig beendeten oder gar mi\u00dflungenen  Reise. Vielmehr scheint Manet in den wenigen Tagen gesehen zu haben, was er zu sehen brauchte. Dabei stellen die Reiseberichte Gautiers Hierarchie des Sehenswerten auf den Kopf. Dieser besuchte in Madrid als erstes einen Stierkampf, den er h\u00f6chst detailliert schildert, streifte danach durch die Stadt, unter anderem um die Sch\u00f6nheit der Madrileninnen zu ergr\u00fcnden, und besuchte zuletzt pflichtschuldig auch den Prado. Gerade einmal f\u00fcnf uninspirierte Zeilen preisen dessen &#8222;au\u00dferordentlichen Reichtum&#8220;, der &#8222;einen Band f\u00fcr sich allein&#8220; erforderte, und listen die wichtigsten K\u00fcnstler auf. Manet hingegen trug sich gleich am Tag nach seiner Ankunft ins Besucherbuch des Prado ein und scheint t\u00e4glich wiedergekommen zu sein. Auch in den Briefen kommt er jeweils zuallererst auf Vel\u00e1zquez zu sprechen, um dann die Qualit\u00e4t weiterer Maler zu er\u00f6rtern, w\u00e4hrend die Reize des Stierkampfs und der f\u00e4cherwedelnden \u201amajas&#8216; deutlich abgesetzt hintangestellt werden. Angesichts der bisherigen Faszination f\u00fcr die folkloristischen Aspekte Spaniens muten die entsprechenden Darstellungen \u00fcberdies eigent\u00fcmlich stereotyp an. Aufschlu\u00dfreich ist schlie\u00dflich, da\u00df Maler wie Murillo, Ribera und sogar Goya, die als entschieden \u201aspanischer&#8216; gelten k\u00f6nnen als Vel\u00e1zquez, beil\u00e4ufig oder gar ablehnend kommentiert werden. Obschon Astruc glauben mu\u00dfte, Manets Reise sei gescheitert &#8211; &#8222;wirklich, alles mu\u00df nochmals gemacht werden&#8220;, schrieb er zur\u00fcck &#8211; hatte Manet sein Reiseziel erreicht:<\/p>\n<p>&#8222;Ich blieb sieben Tage in Madrid und hatte gen\u00fcgend Zeit, alles zu sehen [\u2026]. Was mich am meisten hinri\u00df [\u2026], was ganz alleine die Reise lohnt, ist das \u0152uvre von Vel\u00e1zquez. Er ist der Maler der Maler [\u2026]; in ihm habe ich die Verwirklichung meines Ideals in der Malerei gefunden; der Anblick dieser Meisterwerke hat mir gro\u00dfe Hoffnung und Zuversicht gegeben.&#8220;<\/p>\n<p>Als Manet nach der katastrophalen Aufnahme <em>Olympias<\/em> aufgebrochen war, um &#8222;ma\u00eetre Vel\u00e1zquez um Rat zu fragen&#8220;, ging es um einen Akt der R\u00fcckversicherung in einem Augenblick gr\u00f6\u00dfter Selbstzweifel. Wie die Briefstelle belegt, gelang dies auch: Manet kehrte hoffnungsvoll zur\u00fcck. Zugleich erkannte er, was ihn wirklich betraf. W\u00e4hrend die Begegnung mit Vel\u00e1zquez&#8216; Gem\u00e4lden alles \u00fcberstrahlte, erschien jenes \u201aSpanische&#8216;, das seine Malerei bislang durchzog, mit einem Male entbehrlich. Wenn Manet sp\u00e4ter auf Bildfindungen spanischer K\u00fcnstler zur\u00fcckgriff, beispielsweise 1868 auf Goyas <em>Majas al balc\u00f3n<\/em> f\u00fcr <em>Le balcon<\/em>, \u00fcbernahm er lediglich die Grundstruktur, um zugleich jegliches \u201aspanische Kolorit&#8216; auszul\u00f6schen. Worin aber bestand die Zuversicht, die ihm Vel\u00e1zquez gab? Sowohl der Zweifel am eigenen malerischen Standpunkt als auch der Versuch, sich bei diesem Maler r\u00fcckzuversichern, haben komplexe Ursachen. Den Schl\u00fcssel zu deren Verst\u00e4ndnis bildet, so meine Vermutung, das Wort \u201ama\u00eetre&#8216;.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-velazquez-krise-spanien-reise\/\">Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-paris-zweites-kaiserreich-napoleon-eugenie\/\">Kapitel I: Spanien in Paris<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-salon-gautier-olympia-goya\/\">Kapitel II: Der Z\u00f6gling Goyas<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt Manet Velazquez\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-prado-velazquez-goya-balkon\/\">Kapitel III: Ma\u00eetre Vel\u00e1zquez<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Manet Velazquez\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/auguste-manet-leon-suzanne-leenhoff-koella\/\">Kapitel IV: Legitimit\u00e4t, Vaterschaft und Tradition, Teil 1<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/autonomie-academie-salon-velazquez-tradition\/\">Kapitel IV: Legitimit\u00e4t, Vaterschaft und Tradition, Teil 2<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-pfeiffer-zola-velazquez-meninas-selbstportrait\/\">Kapitel V: Vel\u00e1zquez als \u201ainnere Figur&#8216;, Teil 1<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-psychoanalyse-muzan-alter-ego\/\">Kapitel V: Vel\u00e1zquez als \u201ainnere Figur&#8216;, Teil 2<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-kunstgeschichte-tradition-moderne-impressionismus\/\">Kapitel VI: Tradition und\/oder Modernit\u00e4t<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/manet-velazquez.pdf\">Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB) Manets Reise zu Vel\u00e1zquez und das Problem der kunstgeschichtlichen Genealogie in: Umwege. \u00c4sthetik und Poetik exzentrischer Reisen, hrsg. von Bernd Blaschke, Rainer Falk, Dirck Linck, Oliver Lubrich, Friederike Wi\u00dfmann und Volker Woltersdorff, Bielefeld 2008, S. 119-158. 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