{"id":403,"date":"2009-06-07T09:39:31","date_gmt":"2009-06-07T07:39:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=403"},"modified":"2009-06-07T09:39:31","modified_gmt":"2009-06-07T07:39:31","slug":"manet-paris-zweites-kaiserreich-napoleon-eugenie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/manet-paris-zweites-kaiserreich-napoleon-eugenie\/","title":{"rendered":"Manet Paris Zweites Kaiserreich Napoleon Eug\u00e9nie"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/manet-velazquez.pdf\"><font size=\"1\" face=\"verdana\">Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Manets Reise zu Vel\u00e1zquez und das Problem der kunstgeschichtlichen Genealogie<\/h2>\n<p><small>in: Umwege. \u00c4sthetik und Poetik exzentrischer Reisen, hrsg. von Bernd Blaschke, Rainer Falk, Dirck Linck, Oliver Lubrich, Friederike Wi\u00dfmann und Volker Woltersdorff, Bielefeld 2008, S. 119-158.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel I: Spanien in Paris<\/h3>\n<p>Seit den 1830er Jahren entwickelte sich in der franz\u00f6sischen Hochkultur eine Spanienmode, die sich beispielsweise literarisch in Victor Hugos Drama <em>Hernani<\/em> (1830) oder Prosper Merim\u00e9es Novelle <em>Carmen<\/em> (1845), in der bildenden Kunst in Louis-Philippes 1838 er\u00f6ffneter <em>Galerie Espagnole<\/em> im Louvre manifestierte. 1840 bereiste Th\u00e9ophile Gautier &#8211; der sp\u00e4ter eine der ersten Kunstkritiken \u00fcber Manet schreiben sollte &#8211; Spanien, insbesondere Madrid und Andalusien, und sein Bericht, der 1843 in Buchform erschien und bis 1875 neunmal wiederabgedruckt wurde, ermutigte Nachahmer, die mit dem \u201aGautier&#8216; reisten wie heutige Franzosen mit dem \u201aMichelin&#8216;. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Zuwendung zu Spanien waren vielf\u00e4ltig. Das Interesse wandte sich einem Land zu, dessen Bev\u00f6lkerung sich der napoleonischen Besetzung hartn\u00e4ckig widersetzt hatte und dessen Sitten und Gebr\u00e4uche von der franz\u00f6sischen \u201acivilisation&#8216; stark abwichen. Vor allem romantisch gesinnte Zeitgenossen suchten das \u201aArchaische&#8216; eines Landes, in dem es noch immer die Inquisition gab (bis 1834) und das zu bereisen als Abenteuer galt. Parallel zum Interesse am Land selbst wurde die spanische Malerei des \u201asiglo d&#8217;oro&#8216; entdeckt und in gro\u00dfer Zahl nach Paris gebracht. Sie diente sowohl den Romantikern um Delacroix als auch den Realisten um Courbet und sp\u00e4ter Manet als Gegenentwurf zu den klassizistischen Idealen der Acad\u00e9mie des Beaux-Arts.<\/p>\n<p>Doch es war das Zweite Kaiserreich, in dem die Begeisterung an allem Spanischen bis in die Popul\u00e4rkultur vordrang. Sie wurde Teil der Pariser Vergn\u00fcgungskultur, die das Kaiserpaar zur Kompensation seiner repressiven Herrschaft zielstrebig f\u00f6rderte, mit der Begr\u00fcndung, es geh\u00f6re zu den obersten Pflichten eines Souver\u00e4ns, die Untertanen aller Gesellschaftsschichten gut zu unterhalten. Ausl\u00f6serin dieser neuen Welle der Hispanisierung war die aus spanischem Landadel stammende Abenteurerin Eugenia de Montijo, die im Januar 1853 in einer \u00fcberaus pomp\u00f6sen Zeremonie Napoleon III. geheiratet hatte &#8211; jenen schwer einzusch\u00e4tzenden, zugleich fortschrittlichen und reaktion\u00e4ren Herrscher \u00fcber Frankreich, den Victor Hugo als &#8222;den Kleinen&#8220; und Karl Marx als &#8222;falschen Spieler&#8220; verspotteten. Der Ehrgeiz von Kaiserin Eug\u00e9nie, wie sie nun hie\u00df, war gro\u00df, und ihre Macht wuchs proportional zur Schw\u00e4che ihres bedeutend \u00e4lteren Mannes, die in den 1860er Jahren bedrohlich zunahm. Eug\u00e9nie geh\u00f6rte zu den entschiedenen Verfechtern der fatalen Idee, der seit vierzig Jahren von Spanien unabh\u00e4ngigen mexikanischen Republik mit der Gewalt franz\u00f6sischer Soldaten erneut eine Monarchie aufzuzwingen. Diese Unternehmung endete 1867 in einem kolossalen au\u00dfenpolitischen Desaster, als Erzherzog Maximilian von \u00d6sterreich, der 1864 als Kaiser von Mexiko eingesetzt worden war, von Soldaten des gew\u00e4hlten mexikanischen Pr\u00e4sidenten Benito Ju\u00e1res standrechtlich erschossen wurde. Das Ereignis, in dem die Zeitgenossen bereits das Endes des Zweiten Kaiserreichs sich ank\u00fcndigen sahen, veranla\u00dfte Manet zu einem ambitionierten Historiengem\u00e4lde, das aufgrund der scharfen Zensurbestimmungen nicht ausgestellt werden durfte. Erneut war es Kaiserin Eug\u00e9nie, die ma\u00dfgeblich daran beteiligt war, aufgrund von Streitereien \u00fcber die Wiederbesetzung des spanischen K\u00f6nigsthrons 1870 den Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg vom Zaune zu brechen, der innerhalb weniger Wochen die Niederlage der franz\u00f6sischen Armee und den Zusammenbruch des Napoleonischen Regimes herbeif\u00fchrte. Obschon der kranke und zunehmend apathische Kaiser in den wenigen Augenblicken der Handlungsf\u00e4higkeit versucht hatte, den Frieden zu retten &#8211; allein schon weil er sich au\u00dferstande sah, auf einem Pferd zu reiten und das franz\u00f6sische Heer zu befehligen -, setzte sich Eug\u00e9nie, im Verbund mit einigen Ministern aus Napoleons Kabinett und getragen von einer antipreu\u00dfisch aufgestachelten \u00f6ffentlichen Meinung, dar\u00fcber hinweg. Als die Abgeordnetenkammer f\u00fcr die Kriegserkl\u00e4rung an Preu\u00dfen stimmte, beanspruchte sie die entscheidende Rolle f\u00fcr sich: &#8222;Cette guerre la; c&#8217;est ma guerre&#8220;. Im Tuilerienpalast trug die \u201aSpanierin&#8216; &#8211; wie sie anf\u00e4nglich euphorisch, zum Schlu\u00df absch\u00e4tzig genannt wurde &#8211; entschieden dazu bei, das Zweite Kaiserreich in den Untergang zu treiben. Im Pariser Kultur- und Festkalender hingegen zeigte sich das Spanische als pittoreskes Dauerspektakel, von Maskenb\u00e4llen \u00fcber Gastspiele spanischer T\u00e4nzergruppen bis zu Versuchen, den Stierkampf auch in Paris einzuf\u00fchren.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-velazquez-krise-spanien-reise\/\">Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt Manet Velazquez\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-paris-zweites-kaiserreich-napoleon-eugenie\/\">Kapitel I: Spanien in Paris<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Manet Velazquez\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-salon-gautier-olympia-goya\/\">Kapitel II: Der Z\u00f6gling Goyas<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-prado-velazquez-goya-balkon\/\">Kapitel III: Ma\u00eetre Vel\u00e1zquez<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/auguste-manet-leon-suzanne-leenhoff-koella\/\">Kapitel IV: Legitimit\u00e4t, Vaterschaft und Tradition, Teil 1<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/autonomie-academie-salon-velazquez-tradition\/\">Kapitel IV: Legitimit\u00e4t, Vaterschaft und Tradition, Teil 2<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-pfeiffer-zola-velazquez-meninas-selbstportrait\/\">Kapitel V: Vel\u00e1zquez als \u201ainnere Figur&#8216;, Teil 1<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-psychoanalyse-muzan-alter-ego\/\">Kapitel V: Vel\u00e1zquez als \u201ainnere Figur&#8216;, Teil 2<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/manet-kunstgeschichte-tradition-moderne-impressionismus\/\">Kapitel VI: Tradition und\/oder Modernit\u00e4t<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/manet-velazquez.pdf\">Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manets Reise zu Vel\u00e1zquez als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 2.281 KB) Manets Reise zu Vel\u00e1zquez und das Problem der kunstgeschichtlichen Genealogie in: Umwege. \u00c4sthetik und Poetik exzentrischer Reisen, hrsg. von Bernd Blaschke, Rainer Falk, Dirck Linck, Oliver Lubrich, Friederike Wi\u00dfmann und Volker Woltersdorff, Bielefeld 2008, S. 119-158. 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