{"id":370,"date":"2009-04-01T08:27:48","date_gmt":"2009-04-01T06:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=370"},"modified":"2009-04-01T08:27:48","modified_gmt":"2009-04-01T06:27:48","slug":"zola-manet-salon-kunstkritik-olympia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/zola-manet-salon-kunstkritik-olympia\/","title":{"rendered":"Zola Manet Salon Kunstkritik Olympia"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/manet-zola.pdf\"><span style=\"font-size: xx-small; font-family: arial;\">Manet Zola als Druckversion (PDF mit Abb. 635 KB) <\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Das Fleisch des Malers. Manet malt Zola, Zola schreibt \u00fcber Manet<\/h2>\n<p><small>in: Magazin der Basler Zeitung, Nr. 13, 3.4.1999, S. 6-7.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel I: Einleitung<\/h3>\n<p>Als Emile Zola 1867 seinen zweiten Roman &#8222;Th\u00e9r\u00e8se Raquin&#8220;, eine Trag\u00f6die von Elend, Ehebruch, Mord und Selbstmord, ver\u00f6ffentlicht, sieht er sich den w\u00fcsten Beschimpfungen ausgesetzt, er habe eine Kloake, einen Kehrichthaufen, eine Schmutz- und Blutpf\u00fctze geboten. Der zweiten Auflage, die im Fr\u00fchjahr 1868 erscheint, stellt er daher ein Vorwort voran, in dem er sein literarisches Verfahren rechtfertigt.<\/p>\n<p>Er habe, schreibt Zola, ganz einfach die analytische Arbeit an zwei lebenden K\u00f6rpern vorgenommen, wie sie Chirurgen an Leichen vorn\u00e4hmen. Es sei hart, wenn man nach einer solchen allein der Wahrheit verpflichteten Arbeit den Vorwurf der Leute h\u00f6re, man habe keinen anderen Zweck verfolgt, als anst\u00f6ssige Szenen zu schildern. Er habe sich in der Lage eines Malers befunden, &#8222;der ohne den leisesten sinnlichen Gedanken nackte K\u00f6rper wiedergibt und zutiefst erstaunt ist, wenn ein Kritiker seiner Entr\u00fcstung \u00fcber die lebendige Dastellung des Fleisches Ausdruck gibt&#8220;.<\/p>\n<p>Der Maler, an den Zola beim Schreiben dieser Zeilen denkt, ist Edouard Manet, dessen &#8222;lebendige Darstellung des Fleisches&#8220; der &#8222;Olympia&#8220; im Salon von 1865 ebenfalls heftige sittliche Emp\u00f6rung hervorrief.<\/p>\n<p>Die Ann\u00e4herung Zolas an Manet ist so st\u00fcrmisch wie kalkuliert. In der ersten Kunstkritik, mit der er an die \u00d6ffentlichkeit tritt, den Berichten \u00fcber den Salon von 1866, nimmt Zola den Maler mit Worten in Schutz, mit denen er sich im Vorwort zu &#8222;Th\u00e9r\u00e8se Raquin&#8220; ein Jahr sp\u00e4ter selbst verteidigen wird: Manet sei ein K\u00fcnstler, der allein die Wahrheit suche, ohne dabei auf den Zeitgeschmack oder das moralische Empfinden R\u00fccksicht zu nehmen. Zwar kennt er damals Manet und dessen Werke kaum, doch nach den Wirbeln um das &#8222;Fr\u00fchst\u00fcck im Freien&#8220; und um die &#8222;Olympia&#8220; weiss er um den Skandalwert dieses Namens.<\/p>\n<p>Dem acht Jahre \u00e4lteren Maler ist bereits gelungen, wonach der junge, ehrgeizige Zola sucht: mit Werken, die einer k\u00fcnstlerischen Revolution gleichkommen, ins Rampenlicht der \u00d6ffentlichkeit zu treten. Die erhoffte Wirkung tritt auch ein. Zolas Verteidigung des Malers bringt dem Herausgeber des &#8222;L&#8217;\u00c9v\u00e9nement&#8220; eine solche Flut von Protesten ein, dass er ihm die Berichterstattung \u00fcber den Salon entzieht. Im letzten Artikel verabschiedet sich Zola mit den pathetischen Worten, immer die Partei der Besiegten zu ergreifen. Zwischen den unbez\u00e4hmbaren Temperamenten und der Masse bestehe ein offener Kampf, in dem er f\u00fcr die Temperamente einstehe und die Masse angreife. Sein Prozess sei entschieden, und er sei verurteilt worden.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter l\u00e4sst Zola eine l\u00e4ngere Studie \u00fcber Manet folgen, in der er nicht nur dessen Leben und Werke, sondern sich selbst als Richter beschreibt, der wegen seiner Unvoreingenommenheit zum Verfolgten der \u00f6ffentlichen Meinung wurde. Zola schildert den Maler als kompromissloses Temperament und zugleich als &#8222;Kind seiner Zeit&#8220;, als &#8222;analytischen Maler&#8220;, der sich wie ein Wissenschaftler der exakten Beobachtung von Tatsachen zuwende:<\/p>\n<p>&#8222;Ich behaupte&#8220;, heisst es von der Olympia, &#8222;dass dieses Gem\u00e4lde wahrlich das Fleisch und Blut des Malers ist und dass er nie wieder etwas Vergleichbares erschaffen wird. In ihm kommt sein Temperament vollst\u00e4ndig zum Ausdruck, und es enth\u00e4lt nur ihn. Auf weissen Leint\u00fcchern liegend, bildet Olympia einen grossen blassen Fleck vor dem schwarzen Hintergrund. Verehrter Meister, sagen Sie jenen doch, dass sie keineswegs das sind, was jene denken, und dass ein Bild f\u00fcr Sie ein blosser Vorwand f\u00fcr eine Analyse ist. Sie ben\u00f6tigten eine nackte Frau, und Sie haben Olympia, die erstbeste, gew\u00e4hlt; Sie ben\u00f6tigten schwarze Flecken, und Sie haben eine Negerin und eine Katze in einer Ecke untergebracht. Was soll dies alles bedeuten? Sie wissen es nicht so recht und ich auch nicht. Aber ich weiss, dass es Ihnen gegl\u00fcckt ist, die Wahrheit von Licht und Schatten, die Realit\u00e4t der Dinge und der Lebewesen kraftvoll in eine eigene Sprache zu \u00fcbersetzen.&#8220;<\/p>\n<p>Zola stilisiert Manet als Mitstreiter und Verwandten im Geiste. F\u00fcr ihn f\u00fchrt Manet in die Malerei den &#8222;Naturalismus&#8220; ein, den er in diesen Jahren als seinen Beitrag zur Literatur zu konzipieren beginnt und ab 1870 in den zwanzig Romanen des &#8222;Rougon-Macquart&#8220;-Zyklus verwirklichen wird.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt Manet Zola Kapitel I\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/zola-manet-salon-kunstkritik-olympia\/\">Kapitel I: Einleitung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Manet Zola Kapitel II\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/zola-manet-kunsttheorie-temperament-naturalismus\/\">Kapitel II: Zolas Kunstauffassung \u2026<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/zola-manet-genieaesthetik-positivismus-portraet\/\">Kapitel III: \u2026 auf Manet angewendet <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/zola-manet-velazquez-japanischer-farbholzschnitt\/\">Kapitel IV: Das Bild als Artefakt <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/zola-manet-moderne-form-informe\/\">Kapitel V: Der Aspekt der Peinture <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/manet-zola.pdf\">Manet Zola als Druckversion (PDF mit Abb. 635 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manet Zola als Druckversion (PDF mit Abb. 635 KB) Das Fleisch des Malers. 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