{"id":330,"date":"2009-02-08T11:47:31","date_gmt":"2009-02-08T09:47:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=330"},"modified":"2009-02-08T11:47:31","modified_gmt":"2009-02-08T09:47:31","slug":"rhetorik-rede-kunst-simultaneitaet-sukzession","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-rede-kunst-simultaneitaet-sukzession\/","title":{"rendered":"Rhetorik Rede Kunst Simultaneit&#228;t Sukzession"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/wahrscheinlichkeit.pdf\"><span style=\"font-family: arial; font-size: xx-small;\">Wahrscheinlichkeit als Druckversion (PDF mit Abb. 8.639 KB)<\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Wahrscheinlichkeit. Zur Rhetorik der Kunst<\/h2>\n<p><small>in: Daidalos 64, Juni 1997 (Sondernummer &#8222;Rhetorik), S. 80-89.<\/small><\/p>\n<h3>Abschnitt V<\/h3>\n<p>Es gibt jedoch eine Grenze der Analogie von rhetorischer und k\u00fcnstlerischer Wahrscheinlichkeitserzeugung, die uns das spezifisch Bildnerische an der Kunst genauer zu fassen erlaubt. Die Differenz, um die es geht, l\u00e4\u00dft sich mit dem Begriffspaar Simultanit\u00e4t und Sukzession benennen. Nach der antiken Rhetoriklehre entfaltet sich die Rede sukzessiv in verschiedenen Stadien. Zun\u00e4chst wird ein Thema bestimmt und der entsprechende Sachverhalt erz\u00e4hlt (<em>exordium<\/em> und <em>narratio<\/em>), dann folgt die Argumentation und Beweisf\u00fchrung, in der die gegnerischen Argumente widerlegt und die eigenen stark gemacht werden (<em>argumentatio<\/em>), und schlie\u00dflich der Redeschlu\u00df (<em>conclusio<\/em>). Diese Einteilung hat, wie die Mehrzahl der politischen Reden oder auch der wissenschaflichen Vortr\u00e4ge zeigt, noch heute G\u00fcltigkeit. Die Abfolge erlaubt es dem Zuh\u00f6rer, zwischen der Sache, um die es geht (<em>res<\/em>), und dem Argument, das der Redner vorbringt (<em>argumentum<\/em>), zu unterscheiden, wobei die rhetorische Kunst darin besteht, im Redeverlauf eine zwingende Verbindung zwischen ihnen aufzubauen. Diesen sukzessiven Proze\u00df vollzieht das Kunstwerk nicht. Die Sache (z.B. &#8222;Natur&#8220;) ist im Kunstwerk immer schon in die jeweilige Form gebracht. Sie erscheint nur nach Ma\u00dfgabe der Art und Weise, wie das Kunstwerk sie zeigt. An den vier Naturdarstellungen haben wir das verfolgen k\u00f6nnen. Es gilt in gleichem Ma\u00dfe auch f\u00fcr die Plastik. Michelangelos <em>Sieger<\/em>, Berninis <em>Hl. Theresa<\/em>, Rodins <em>Schreitender<\/em> oder Giacomettis <em>B\u00fcste Elie Lotars<\/em> zeigen nicht einen Sachverhalt (&#8222;Mensch&#8220;), der zun\u00e4chst einmal wahrgenommen werden k\u00f6nnte, und der dann, einer Gliederpuppe gleich, in eine bestimmte Gestalt \u00fcberf\u00fchrt w\u00fcrde, so wie der Redner die Perspektivierung seines Redethemas allm\u00e4hlich herausarbeitet. Das Abstraktum &#8222;Mensch&#8220; und die individuelle Gestalt der Skulptur fallen in eins, sie gehen eine unl\u00f6sbare Verbindung ein. Ein Bild oder eine Skulptur &#8222;sehen&#8220; hei\u00dft, in ein und demselben Augenblick die &#8222;Sache&#8220; und die spezifische Gestalt, &#8222;res&#8220; und &#8222;argumentum&#8220;, zu sehen. Diese Konvergenz, in der sich etwas als etwas zeigt, ist gemeint, wenn man von der &#8222;Pr\u00e4senz&#8220; und der &#8222;Unmittelbarkeit&#8220; der Kunst spricht. Wahrscheinlich ist das die Stelle, wo wir der spezifisch k\u00fcnstlerischen Rhetorik als ihrer spezifischen Form der \u00dcberzeugungskraft am n\u00e4chsten kommen: wo es der Kunst im Augenblick der Betrachtung gelingt, jede Trennung aufzuheben und uns die &#8222;Welt&#8220; als so beschaffen zu zeigen, wie das Kunstwerk sie formuliert. Diese Umkehrung ist der Triumph der Kunst, in der das Fiktive \u00fcber das Reale siegt.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-wahrheit-text-linguistic-turn\/\">Abschnitt I<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-sprache-konvention-kunst-aehnlichkeit\/\">Abschnitt II<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-wahrscheinlichkeit-baumgarten-aesthetik-quintilian\/\">Abschnitt III<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-cezanne-klee-lorrain-pollock-natur\/\">Abschnitt IV<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-rede-kunst-simultaneitaet-sukzession\/\">Abschnitt V<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Pfeil\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-werbung-kunst-moeglichkeit-offenheit\/\">Abschnitt VI<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/wahrscheinlichkeit.pdf\">Wahrscheinlichkeit als Druckversion (PDF mit Abb. 8.639 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahrscheinlichkeit als Druckversion (PDF mit Abb. 8.639 KB) Wahrscheinlichkeit. Zur Rhetorik der Kunst in: Daidalos 64, Juni 1997 (Sondernummer &#8222;Rhetorik), S. 80-89. Abschnitt V Es gibt jedoch eine Grenze der Analogie von rhetorischer und k\u00fcnstlerischer Wahrscheinlichkeitserzeugung, die uns das spezifisch Bildnerische an der Kunst genauer zu fassen erlaubt. Die Differenz, um die es geht, l\u00e4\u00dft &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-rede-kunst-simultaneitaet-sukzession\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eRhetorik Rede Kunst Simultaneit&#228;t Sukzession\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-330","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=330"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/330\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}