{"id":321,"date":"2009-02-08T11:31:30","date_gmt":"2009-02-08T09:31:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=321"},"modified":"2009-02-08T11:31:30","modified_gmt":"2009-02-08T09:31:30","slug":"rhetorik-sprache-konvention-kunst-aehnlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-sprache-konvention-kunst-aehnlichkeit\/","title":{"rendered":"Rhetorik Sprache Konvention Kunst &#196;hnlichkeit"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/wahrscheinlichkeit.pdf\"><span style=\"font-family: arial; font-size: xx-small;\">Wahrscheinlichkeit als Druckversion (PDF mit Abb. 8.639 KB)<\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/p>\n<h2>Wahrscheinlichkeit. Zur Rhetorik der Kunst<\/h2>\n<p><small>in: Daidalos 64, Juni 1997 (Sondernummer &#8222;Rhetorik), S. 80-89.<\/small><\/p>\n<h3>Abschnitt II<\/h3>\n<p>Doch ob der erweiterte Rhetorikbegriff zum besseren Verst\u00e4ndnis der Kunst etwas beitragen kann, ist ungewi\u00df. Wenn jedes Sprechen, ob Alltagskommunikation oder Wissenschaftsdiskurs, <em>rhetorisches<\/em> Sprechen ist &#8211; was ist mit dieser Feststellung gewonnen? \u00dcbertragen auf die Welt des Visuellen entspr\u00e4che ihm die Feststellung, da\u00df jedes Bild \u00e4sthetisch ist, gleichviel, ob es als anspruchsvolles Kunstwerk oder als beliebiger Schnappschu\u00df intendiert ist. Letztlich laufen diese Feststellungen auf die tautologische Aussage hinaus, da\u00df die Sprache die Realit\u00e4t nie unmittelbar wiederzugeben vermag, sondern blo\u00df Sprache bleibt, die ihren eigenen Gesetzen unterliegt. Das Beharren darauf geh\u00f6rt zur &#8222;aufkl\u00e4rerischen&#8220;, anti-ideologischen Intention dieses Rhetorikbegriffs, die als solche berechtigt sein mag. Doch die Begleiterscheinung, da\u00df hiermit alle Gattungsdifferenzen nivelliert werden, vermag nicht zu befriedigen. Denn die Frage dr\u00e4ngt sich gleichwohl auf, ob es zwischen den verschiedenen Sprachformen nicht Unterschiede in der rhetorischen Strukturierung gebe. Innerhalb des visuellen Bereichs m\u00fc\u00dfte es m\u00f6glich sein, zwischen der Kunst und dem Pressebild, dem Urlaubsfoto, der Werbung usw. zu differenzieren.<br \/>\nBei der \u00dcbertragung des Rhetorikbegriffs auf die Kunst gibt es zudem das grundlegende Problem, da\u00df die Kunst nicht sprachlich strukturiert ist. Die Kunst als &#8222;Rede&#8220; zu bezeichnen ist selbst eine Metapher und damit ein rhetorischer Akt. Die Sprache operiert mit Zeichen, die als solche arbitr\u00e4r sind: Grunds\u00e4tzlich spr\u00e4che nichts dagegen, mit dem Wort &#8222;Tisch&#8220; das zu bezeichnen, was wir unter einem Baum verstehen. Das Zeichen &#8222;Tisch&#8220; ist jedoch aufgrund sprachlicher Konvention dem Objekt &#8222;Tisch&#8220; eindeutig zugeordnet. Die Bedeutungselemente der Kunst, Farbe und Form, funktionieren hingegen grundlegend anders. Zum einen sind sie nicht arbitr\u00e4r, sondern analog, z.B. Gelb f\u00fcr die Sonne, oder eine Vertikale f\u00fcr eine H\u00e4userwand. Zum anderen sind sie keinem Bezeichneten eindeutig zuzuordnen. Gelb kann f\u00fcr alles stehen, was gelb ist: neben der Sonne f\u00fcr ein Weizenfeld, f\u00fcr Narzissen usw.; und eine Vertikale kann auch f\u00fcr ein R\u00fcckgrat oder einen Pfosten stehen. Aus dieser Offenheit der bildnerischen Elemente sch\u00f6pft die Kunst Entscheidendes f\u00fcr ihre spezifische Artikulationsf\u00e4higkeit, u.a. die M\u00f6glichkeit, da\u00df selbst abstrakte Bilder etwas &#8222;bedeuten&#8220;. So vermag bereits das \u00dcbereinander eines unteren gr\u00fcnen und eines oberen blauen Streifens, obgleich beide keinen eindeutigen Referenten besitzen, &#8222;Landschaft&#8220; zu suggerieren. Die Beziehung eines bildnerischen Elementes zum &#8222;Bedeuteten&#8220; ist also nicht durch Konvention, sondern im weitesten Sinne durch \u00c4hnlichkeit geregelt. Wenn aber die Kunst nicht auf der Ordnung von Zeichen beruht, dann ist die Rhetorik, die stets (auch) semiotisch operiert und somit auf das Fundament der Zeichen angewiesen ist, kaum wirklich auf die Kunst anwendbar.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-wahrheit-text-linguistic-turn\/\">Abschnitt I<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Punkt\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-sprache-konvention-kunst-aehnlichkeit\/\">Abschnitt II<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Pfeil\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-wahrscheinlichkeit-baumgarten-aesthetik-quintilian\/\">Abschnitt III<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-cezanne-klee-lorrain-pollock-natur\/\">Abschnitt IV<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-rede-kunst-simultaneitaet-sukzession\/\">Abschnitt V<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-werbung-kunst-moeglichkeit-offenheit\/\">Abschnitt VI<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/wahrscheinlichkeit.pdf\">Wahrscheinlichkeit als Druckversion (PDF mit Abb. 8.639 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahrscheinlichkeit als Druckversion (PDF mit Abb. 8.639 KB) Wahrscheinlichkeit. Zur Rhetorik der Kunst in: Daidalos 64, Juni 1997 (Sondernummer &#8222;Rhetorik), S. 80-89. Abschnitt II Doch ob der erweiterte Rhetorikbegriff zum besseren Verst\u00e4ndnis der Kunst etwas beitragen kann, ist ungewi\u00df. Wenn jedes Sprechen, ob Alltagskommunikation oder Wissenschaftsdiskurs, rhetorisches Sprechen ist &#8211; was ist mit dieser Feststellung &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/rhetorik-sprache-konvention-kunst-aehnlichkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eRhetorik Sprache Konvention Kunst &#196;hnlichkeit\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-321","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=321"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/321\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}