{"id":154,"date":"2008-04-07T10:11:50","date_gmt":"2008-04-07T08:11:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/andy-warhol-selbstbildnis-blick-melancholiker-informe\/"},"modified":"2008-04-07T10:11:50","modified_gmt":"2008-04-07T08:11:50","slug":"andy-warhol-selbstbildnis-blick-melancholiker-informe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/andy-warhol-selbstbildnis-blick-melancholiker-informe\/","title":{"rendered":"Andy Warhol Selbstbildnis Blick Melancholiker informe"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/beyeler-andy-warhol.pdf\"><font size=\"1\" face=\"arial\">Warhol Self-Portrait als Druckversion (PDF mit Abb. 4.900 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h3>Andy Warhol: Self-Potrait (1967)<\/h3>\n<p><small>in: Sammlungskatalog Fondation Beyeler. Neuzug\u00e4nge 1998-2003, Riehen\/Basel\/Wolfratshausen 2003, S. 32.<\/small><br \/>\nIn der Kunst der letzten Jahrzehnte ist das Selbstbildnis rar geworden. Diesbez\u00fcglich stellt Warhol eine Ausnahme dar, so wie \u00fcberhaupt ein traditioneller Zug seiner Kunst darin besteht, die alten Gattungen der Malerei, das Historienbild, das Portr\u00e4t, das Genre, das Interieur, die Landschaft und das Stilleben, wieder zum Leben zu erwecken. Selbstbildnisse entstehen in grosser Zahl \u00fcber die ganze Schaffenszeit Warhols hinweg. Das Bild der Sammlung Beyeler geh\u00f6rt zur zweifellos wichtigsten Serie, den <em>Self-Portraits<\/em> aus dem Jahr 1967. Der Traditionalit\u00e4t der Gattung entspricht die Geste, mit der sich der K\u00fcnstler hier inszeniert. Warhol posiert mit ans Kinn gelegter Hand, dem klassischen Gestus des Melancholikers und &#8222;Intellektuellen&#8220;. Wer sich so pr\u00e4sentiert, zeigt sich nicht als einer, der die Verflachung der Konsumgesellschaft feiert, sondern als jemand, der das Schauspiel der Welt nachdenklich und distanziert zu reflektieren weiss. Die selbstbewusste Pose wird allerdings durch die drucktechnische Ausf\u00fchrung des Bildes nachdr\u00fccklich unterlaufen. Dadurch gewinnt das Bild einen ambivalenten Charakter, wie er Warhols Bildern auch sonst eigen ist. Was sogleich ins Auge f\u00e4llt, ist der Schatten, der die eine Bildh\u00e4lfte fast g\u00e4nzlich bedeckt. Vom linken Bildrand her greift er auf das Gesicht \u00fcber, schluckt dessen linke Seite vollst\u00e4ndig und kriecht weiter nach rechts, wo er um Auge, Nase und Mund allm\u00e4hlich ausl\u00e4uft. Die Figur und der Schatten sind mit demselben Sieb und derselben Farbe gedruckt. Auf diese Weise fallen das Sichtbarwerden der Physiognomie und deren Verschwinden in eins: eine Gestalt aus Schatten. Warhol druckt die Farbe zudem so, dass sie Blasen wirft und Flecken hinterl\u00e4sst. So verliert sich sein Gesicht weniger im Schatten als vielmehr in einer unf\u00f6rmigen, l\u00f6chrigen Masse. Springt man vom rechten Auge zur vermuteten Stelle des linken, zeigt sich, dass diese amorphe Masse Warhols Blick nicht l\u00f6scht, sondern ins Unheimliche kippen l\u00e4sst. Denn es sind nun diese Blasen, die anstelle des Auges zu blicken scheinen. In der Gattung des Selbstportr\u00e4ts sind Licht und Schatten wiederkehrende Motive, die auf den Sehsinn und das visuelle Erkennen anspielen. Zumeist zeigen sich die K\u00fcnstler, wie sie aus dem Schatten ins Licht des Sichtbaren treten. Sie empfangen das Licht, zugleich gewinnen ihr Auge Glanz und ihre Gestalt Kontur. Warhol aber tritt nicht aus dem Schatten heraus, sondern eher in ihn zur\u00fcck. Die selbstbewusste Pose kritischen Beobachtens bildet nur die eine Seite der Medaille &#8211; w\u00f6rtlicher: die eine H\u00e4lfte des Bildes -, deren andere in einem gebrochenen, ausgel\u00f6schten Blick besteht. &#8222;Das Wesentliche ist das Weglassen&#8220;, sagte Warhol \u00fcber sein bildnerisches Verfahren. Und auf seine Person bezogen: &#8222;Ich falle nie auseinander, weil ich nie eins bin.&#8220;<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/beyeler-andy-warhol.pdf\">Warhol Self-Portrait als Druckversion (PDF mit Abb. 4.900 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warhol Self-Portrait als Druckversion (PDF mit Abb. 4.900 KB) Andy Warhol: Self-Potrait (1967) in: Sammlungskatalog Fondation Beyeler. Neuzug\u00e4nge 1998-2003, Riehen\/Basel\/Wolfratshausen 2003, S. 32. In der Kunst der letzten Jahrzehnte ist das Selbstbildnis rar geworden. 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