{"id":146,"date":"2008-01-15T09:37:53","date_gmt":"2008-01-15T07:37:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/michael-fried-theatricality-theatralitaet-minimal-art\/"},"modified":"2008-01-15T09:37:53","modified_gmt":"2008-01-15T07:37:53","slug":"michael-fried-theatricality-theatralitaet-minimal-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/michael-fried-theatricality-theatralitaet-minimal-art\/","title":{"rendered":"Michael Fried Theatricality Theatralit&#228;t Minimal Art"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/michael-fried-theatricality.pdf\"><font size=\"1\" face=\"arial\">Theatricality \/ Michael Fried als Druckversion (PDF mit Fn. 284 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h2>Theatricality \/ Michael Fried<\/h2>\n<p><small>in: skulptur projekte m\u00fcnster 07, Ausstellungskatalog Westf\u00e4lisches Landesmuseum M\u00fcnster, hrsg. von Brigitte Franzen, Kasper K\u00f6nig und Carina Plath, K\u00f6ln 2007, S. 465-466.<\/small><br \/>\nDen Begriff der <em>Theatralit\u00e4t\/Theatricality<\/em> entwickelte Michael Fried in einer Kritik der Minimal Art, die 1967 unter dem Titel <em>Art and Objecthood<\/em> erschien. Der Begriff sollte jene Merkmale zusammenfassen, die minimalistische Werke inferior, ja, zum \u201eGegensatz von Kunst\u201c werden lie\u00dfen. Von Kunstwerken erwartet Fried, wie seine W\u00fcrdigung Anthony Caros zeigt, die Aufhebung ihrer Objekthaftigkeit durch Form. Die syntaktische Verbindung der einzelnen Elemente f\u00fchre bei Caros Skulpturen zur Illusion abstrakter Modalit\u00e4ten, beispielsweise der Schwerelosigkeit. Die Erfahrung dieser Modalit\u00e4ten habe keinerlei subjektiven Einschlag, da der situativ eingebundene Blick des Betrachters von der Skulptur gleichsam neutralisiert werde: Ein einziger Blick aus jeder m\u00f6glichen Perspektive reiche aus, um das Werk in seiner ganzen Tiefe und F\u00fclle zu erfahren. Auf diese Weise gelinge der Kunst die Herstellung einer \u201eandauernden und zeitlosen Gegenwart\u201c. Diese transzendente Kraft der Kunst wurde gem\u00e4\u00df Fried durch die blo\u00df buchst\u00e4bliche, konkrete Gegenwart der minimalistischen Objekte zerst\u00f6rt. Frieds Kritik richtete sich insbesondere gegen Robert Morris, der in seinen <em>Notes on Sculpture<\/em> genau die von Fried abgelehnte Situationsgebundenheit der Kunsterfahrung stark machte. Die Arbeiten n\u00e4hmen, so Morris, die Beziehungen aus der Arbeit heraus und machten sie \u201ezu einer Funktion von Raum, Licht und Gesichtsfeld des Betrachters\u201c. Inhalt der Erfahrung sollten weniger die inneren Bez\u00fcge der Skulptur sein (die ja tats\u00e4chlich bis zum Einswerden von Form und Objekt minimiert waren), als vielmehr eine \u201eerweiterte Situation\u201c, die Skulptur, Umraum und Betrachter einschlie\u00dft und die \u201ek\u00f6rperliche Teilnahme\u201c des letzteren einfordert. Morris\u2019 Thematisierung der Dauer der Erfahrung kritisiert Fried als \u201eparadigmatisch theatralisch\u201c, da das Theater jene Kunstform sei, die den Betrachter mit der Endlosigkeit einer \u201ezugleich heranr\u00fcckenden und zur\u00fcckweichenden\u201c Zeit konfrontiere. Im Kern zielt der Vorwurf der \u201eTheatralit\u00e4t\u201c auf den ph\u00e4nomenologischen Zugang zur Kunst, der unter K\u00fcnstlern und Kritikern dieser Zeit weit verbreitet war.   In einem w\u00f6rtlicheren Sinne theatral werden Werke der Minimal Art jedoch durch ein weiteres von Fried kritisiertes Merkmal, das er B\u00fchnenpr\u00e4senz nennt. Die geometrischen Objekte Morris\u2019, Donald Judds und vor allem Tony Smiths wiesen einen latenten Anthropomorphismus auf, der dazu f\u00fchre, dass man von ihnen \u201ebedr\u00e4ngt\u201c werde wie von der \u201estummen Gegenwart einer anderen Person\u201c. Damit widersprach Fried der Selbsteinsch\u00e4tzung beispielsweise Judds, der die \u201eSpezifit\u00e4t\u201c seiner Skulpturen gerade darauf hin anlegte, \u00fcber ihre blo\u00dfe Sichtbarkeit hinaus keinerlei Zeichencharakter zu haben. Er widersprach jedoch auch gewisserma\u00dfen sich selbst, da der kritisierte Antropomorphismus ein illusionistisches, ja expressives Moment an der Minimal Art anerkannte, das er ihr aufgrund der Gleichsetzung von Form und Objekt zugleich absprach.<br \/>\nFrieds Kritik der Minimal Art erfolgte vor dem Hintergrund eines kunsttheoretischen und kunstgeschichtlichen Argumentes, das er in den folgenden Jahren auf die gesamte Moderne ausweitete. Der Gegensatz zwischen <em>Theatralit\u00e4t\/Theatracility<\/em> und <em>Versunkenheit\/Absorption<\/em> (wie Fried den positiven Gegenpol der Kunsterfahrung nannte) wurde in Monografien zur Kunst des 18. Jahrhunderts, Gustave Courbet und Edouard Manet zum ebenso k\u00fcnstlerischen wie moralischen Grundkonflikt der Moderne erkl\u00e4rt. Die hier entfaltete These lautet wie folgt: Im 18. Jahrhundert bilde sich die Grundkonvention heraus, dass Kunstwerke f\u00fcr die Betrachtung geschaffen seien. Der intentionale Betrachterbezug habe zur Folge, dass k\u00fcnstlerische Strategien entwickelt werden m\u00fcssten, das Werk in sich versunken erscheinen zu lassen. Erst die Versunkenheit des Werkes in sich selbst erzeuge die Fiktion der Nichtexistenz des Betrachters, und erst diese wiederum erm\u00f6gliche der Kunst die Existenz in jener \u201eandauernden und zeitlosen Gegenwart\u201c, die Fried als Kriterium k\u00fcnstlerischen Gelingens ansieht. Ob im Verweben von kunstkritischen, kunsttheoretischen und kunstgeschichtlichen Argumenten eher die St\u00e4rke oder aber die Schw\u00e4che von Frieds Argumentation liegt, ist in der Fried-Rezeption umstritten.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/michael-fried-theatricality.pdf\">Theatricality \/ Michael Fried als Druckversion (PDF mit Fn. 284 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theatricality \/ Michael Fried als Druckversion (PDF mit Fn. 284 KB) Theatricality \/ Michael Fried in: skulptur projekte m\u00fcnster 07, Ausstellungskatalog Westf\u00e4lisches Landesmuseum M\u00fcnster, hrsg. von Brigitte Franzen, Kasper K\u00f6nig und Carina Plath, K\u00f6ln 2007, S. 465-466. 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