{"id":135,"date":"2007-11-11T10:32:57","date_gmt":"2007-11-11T08:32:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/clyfford-still-selbstdarstellung-avantgarde-mythos\/"},"modified":"2007-11-11T10:32:57","modified_gmt":"2007-11-11T08:32:57","slug":"clyfford-still-selbstdarstellung-avantgarde-mythos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/clyfford-still-selbstdarstellung-avantgarde-mythos\/","title":{"rendered":"Clyfford Still Selbstdarstellung Avantgarde Mythos"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/claude-monet-clyfford-still.pdf\"><font face=\"arial\" size=\"1\">Zur \u00c4hnlichkeit zwischen Claude Monet und Clyfford Still als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.417 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h2>Selbstbild oder Weltbild? Zur \u00c4hnlichkeit zwischen Claude Monet und Clyfford Still<\/h2>\n<p><small>in: Monet \u2026 bis zum digitalen Impressionismus, Katalog Fondation Beyeler, M\u00fcnchen\/New York 2002, S. 180-189.<\/small><\/p>\n<h3>Abschnitt II<\/h3>\n<p>&#8222;Wenn ich ein Gem\u00e4lde ausstelle, m\u00f6chte ich es sagen lassen: &#8218;Hier bin ich; das ist meine Pr\u00e4senz, mein Empfinden, mein Selbst (\u2026) Ich verlange nichts. Ich mache nur geltend, dass ich es vermag, in der Totalit\u00e4t meines So-Seins (\u2026) dazustehen.'&#8220; Clyfford Still war nicht bescheiden, wenn er \u00fcber seine Bilder sprach, und vor allem unterschied er nicht zwischen den Bildern und sich selbst. Er stilisierte sich zum Typus des g\u00e4nzlich autonomen Sch\u00f6pfers, der in Einsamkeit alles aus sich selber holt, daf\u00fcr aber \u00fcber eine aussergew\u00f6hnliche Beziehung zu seinen Sch\u00f6pfungen und \u00fcber furchterregende Kr\u00e4fte verf\u00fcgt: Es sei das &#8222;flammende Leben&#8220;, das er auf seinen grossen Leinw\u00e4nden entstehen lasse, und seine Bilder bes\u00e4ssen eine Kraft, &#8222;gewaltiger und weitreichender als eine Atombombe&#8220;. Ein einziger seiner Farbstriche reiche aus, &#8222;dem Menschen die Freiheit zur\u00fcckzugeben, die er in zwanzig Jahrhunderten der Unterdr\u00fcckung verlor&#8220;. Noch entschiedener als seine Malerkollegen der New York School reklamierte er absolute k\u00fcnstlerische Unabh\u00e4ngigkeit, insbesondere auch von der europ\u00e4ischen Moderne: &#8222;Mein Werk ist von niemandem beeinflusst.&#8220;<br \/>\nStills Selbstbild der &#8218;creatio ex nihilo&#8216; h\u00e4lt der \u00dcberpr\u00fcfung nicht stand. Der junge Still schrieb eine Examensarbeit \u00fcber C\u00e9zanne, unterrichtete \u00fcber Jahre an Kunstakademien, in denen genau verfolgt wurde, was in Europa geschah, und das Fr\u00fchwerk spiegelt nicht nur die Auseinandersetzung mit den amerikanischen Regionalisten und der Kunst der &#8222;Native Americans&#8220;, sondern auch mit Picasso und dem europ\u00e4ischen Surrealismus. Seine Antwort auf die Herausforderung der europ\u00e4ischen Avantgarde bestand in willentlichem Archaismus. Zusammen mit Mark Rothko, Adolph Gottlieb, Jackson Pollock und Barnett Newman geh\u00f6rte Still, der seinen fr\u00fchen, noch gegenst\u00e4ndlichen Bildern Titel wie <em>Totemic Fantasy<\/em> (1938) gab, zu den so genannten &#8222;myth-makers&#8220;, die in ihren Bildern nach Symbolen des &#8222;Primitiven&#8220; und &#8222;Mythischen&#8220; suchten. Den Mythos begriffen sie dabei als kulturellen und psychischen Prozess, der f\u00fcr eine komplexe Naturerkl\u00e4rung sowie zugleich f\u00fcr die Arbeitsvorg\u00e4nge im Unbewussten stand. Den R\u00fcckgang ins Unbewusste sahen sie als M\u00f6glichkeit, den Kontakt mit den Anf\u00e4ngen der Menschheitsgeschichte wiederherzustellen. Die Entwicklung der Kunst sollte von ihrem Beginn her noch einmal durchlaufen werden \u2013 allerdings unter Auslassung der &#8222;labyrinthischen Irrwege europ\u00e4ischer Dekadenz&#8220;, ja unter Umgehung des &#8222;ganzen literarischen Mythos, den man Kunstgeschichte nennt&#8220;.<br \/>\nStills Durchbruch zur Abstraktion erfolgte vor diesem Hintergrund. Orientierte sich das Fr\u00fchwerk an der in w\u00fcsten, leeren Landschaften einsam aufragenden Figur, setzte in den vierziger Jahren ein Transformationsprozess ein, der Figur und Umraum einander ann\u00e4herte und schliesslich zur Fusion beider vorstiess. Figur und Raum verbanden sich, so Still, &#8222;zu einer totalen psychischen Einheit&#8220;. Auch wenn die jetzt entstehenden abstrakten Bilder an schroffe Felsw\u00e4nde erinnern, handelt es sich nicht um Darstellungen der \u00e4usseren Natur. &#8222;Ich male mich selbst, nicht die Natur.&#8220; &#8222;In gewissem Sinne sind all die Bilder Selbstportr\u00e4ts; die Figur steht hinter allem, bis sie sich schliesslich explosionsartig \u00fcber die Leinwand hin ausbreitet.&#8220; Statt die Gewalt des &#8222;Mythischen&#8220; wie in <em>Totemic Fantasy<\/em> lediglich als Symbol aufzurufen, wird nun das Bild selbst zu einem &#8222;mythischen&#8220; Kraftfeld, in dem Mensch und Natur, Innen und Aussen eine von denselben Schicksalsgewalten geformte &#8222;Totalit\u00e4t&#8220; bilden, so wie es \u2013 gem\u00e4ss dem Verst\u00e4ndnis der &#8222;myth-maker&#8220; \u2013 dem Lebens- und Weltgef\u00fchl des &#8222;primitiven Menschen&#8220; entsprach.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claude-monet-clyfford-still-nympheas-wirkungsgeschichte-new-york-school\/\">Abschnitt I<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Punkt Claude Monet und Clyfford Still\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/clyfford-still-selbstdarstellung-avantgarde-mythos\/\">Abschnitt II<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Pfeil Claude Monet und Clyfford Still\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/clyfford-still-medium-clement-greenberg-impression-expression\/\">Abschnitt III<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/clyfford-still-claude-monet-subjekt-welt-beruehrung\/\">Abschnitt IV<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/claude-monet-clyfford-still.pdf\"><font face=\"arial\" size=\"1\">Zur \u00c4hnlichkeit zwischen Claude Monet und Clyfford Still als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.417 KB)<\/font><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur \u00c4hnlichkeit zwischen Claude Monet und Clyfford Still als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.417 KB) Selbstbild oder Weltbild? Zur \u00c4hnlichkeit zwischen Claude Monet und Clyfford Still in: Monet \u2026 bis zum digitalen Impressionismus, Katalog Fondation Beyeler, M\u00fcnchen\/New York 2002, S. 180-189. 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