{"id":134,"date":"2007-11-11T10:30:59","date_gmt":"2007-11-11T08:30:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claude-monet-clyfford-still-nympheas-wirkungsgeschichte-new-york-school\/"},"modified":"2007-11-11T10:30:59","modified_gmt":"2007-11-11T08:30:59","slug":"claude-monet-clyfford-still-nympheas-wirkungsgeschichte-new-york-school","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/claude-monet-clyfford-still-nympheas-wirkungsgeschichte-new-york-school\/","title":{"rendered":"Claude Monet Clyfford Still Nymph\u00e9as Wirkungsgeschichte New York School"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/claude-monet-clyfford-still.pdf\"><font face=\"arial\" size=\"1\">Zur \u00c4hnlichkeit zwischen Claude Monet und Clyfford Still als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.417 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h2>Selbstbild oder Weltbild? Zur \u00c4hnlichkeit zwischen Claude Monet und Clyfford Still<\/h2>\n<p><small>in: Monet \u2026 bis zum digitalen Impressionismus, Katalog Fondation Beyeler, M\u00fcnchen\/New York 2002, S. 180-189.<\/small><\/p>\n<h3>Abschnitt I<\/h3>\n<p>Monets breitgestreckte <em>Nymph\u00e9as<\/em> aus den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und Clyfford Stills abstrakte Grossformate, die seit den sp\u00e4ten 1940er Jahren entstanden, weisen \u00c4hnlichkeiten auf, die bereits f\u00fcr Stills Zeitgenossen augenf\u00e4llig waren. In den <em>Nymph\u00e9as<\/em> entwickelte Monet eine gegen\u00fcber seinen fr\u00fcheren, noch am Blick in die Tiefe des Raums ausgerichteten Bildern radikalisierte Malerei. Sie zeichnet sich durch eine ebenm\u00e4ssige Behandlung der ganzen Bildfl\u00e4che aus, die ein dicht bedecktes, gleichm\u00e4ssig texturiertes Farbfeld hervorbringt. Kontraste und Plastizit\u00e4t werden ged\u00e4mpft und das Bild auf eine vergleichsweise undifferenzierte Oberfl\u00e4che irisierender Farben reduziert. Die rhythmisierte Pinself\u00fchrung erzeugt ein wandschirmartiges Bild, das auf Anfang, Mitte und Ende zu verzichten scheint und deren Gegenstandsbezug \u2013 eine Wasserfl\u00e4che mit Seerosen, in der sich Himmel und B\u00e4ume spiegeln \u2013 zuweilen kaum mehr auszumachen ist. Still wiederum fand in seinen abstrakten Gem\u00e4lden zu einer Malerei, welche die Grenzen des Staffeleibildes sprengte und zu grossen, an der Vertikale orientierten und meist nur aus wenigen unmodulierten Farbzonen bestehenden Bildern f\u00fchrte. Die gesteigerten Formate, das den Rahmen scheinbar nicht ber\u00fccksichtigende All-over der malerischen Bewegung und die vertikal aufragende, durch keinen Horizont geteilte Fl\u00e4chigkeit liessen Monets und Stills Bilder als unmittelbar verwandt, ja mehr noch: als direkt auseinander hervorgehend erscheinen. Die \u00c4hnlichkeit wirkte augen\u00f6ffnend zu beiden Seiten hin, f\u00fchrte zu einer Neubewertung von Monets bislang eher abf\u00e4llig beurteiltem Sp\u00e4twerk und er\u00f6ffnete zugleich eine Verst\u00e4ndnism\u00f6glichkeit f\u00fcr Stills zun\u00e4chst als willk\u00fcrlich und strukturlos kritisierte Kunst. Das Auftauchen Stills und seiner abstrakt-expressionistischen Kollegen der New York School bef\u00f6rderte massgeblich das Monet-Revival der f\u00fcnfziger Jahre, w\u00e4hrend dieses wiederum die Wertsch\u00e4tzung des Abstrakten Expressionismus wachsen liess, bis er am Ende der f\u00fcnfziger Jahre von New York aus seinen internationalen Triumphzug antrat. Bei n\u00e4herem Zusehen zeigt sich allerdings, dass es sich bei der \u00c4hnlichkeit zwischen Monets naturbezogenem Impressionismus und Stills abstraktem Expressionismus um eine Art &#8222;Pseudomorphose&#8220; handelt: um die \u00dcbereinstimmung zwischen Werken, deren enge formale Verwandtschaft vergessen lassen kann, dass sie sich einer unterschiedlichen Entstehung verdanken und eine unterschiedliche Bedeutung haben. N\u00e4he und Ferne stehen bei Monet und Still in einem spannungsreichen Verh\u00e4ltnis, und erst die doppelte Optik, die beides zugleich zu sehen versucht, entdeckt die eigentliche Pointe der formalen Verwandtschaft, die im erstaunlichen Ph\u00e4nomen besteht, dass auseinander liegende historische Zusammenh\u00e4nge und Beweggr\u00fcnde gleichwohl zu \u00e4hnlichen Bildern f\u00fchren k\u00f6nnen. Konfrontiert man die Bilder miteinander, tritt ihre Vergleichbarkeit daher ebenso heraus wie ihre irreduzible Verschiedenheit. Der Bezug zwischen Still und Monet beleuchtet schlaglichtartig die komplexe Wirkungsgeschichte der <em>Nymph\u00e9as<\/em>, die \u2013 wie jede Wirkungsgeschichte \u2013 Verstehen und Missverstehen ineinander fliessen l\u00e4sst.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Punkt Claude Monet und Clyfford Still\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/claude-monet-clyfford-still-nympheas-wirkungsgeschichte-new-york-school\/\">Abschnitt I<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Pfeil Claude Monet und Clyfford Still\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/clyfford-still-selbstdarstellung-avantgarde-mythos\/\">Abschnitt II<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/clyfford-still-medium-clement-greenberg-impression-expression\/\">Abschnitt III<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/clyfford-still-claude-monet-subjekt-welt-beruehrung\/\">Abschnitt IV<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/claude-monet-clyfford-still.pdf\"><font face=\"arial\" size=\"1\">Zur \u00c4hnlichkeit zwischen Claude Monet und Clyfford Still als Druckversion (PDF mit Abb. u. 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