{"id":131,"date":"2007-10-14T08:52:27","date_gmt":"2007-10-14T06:52:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/arthur-danto-ende-der-kunst-kunstphilosophie-geschichte-der-kunst\/"},"modified":"2007-10-14T08:52:27","modified_gmt":"2007-10-14T06:52:27","slug":"arthur-danto-ende-der-kunst-kunstphilosophie-geschichte-der-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/arthur-danto-ende-der-kunst-kunstphilosophie-geschichte-der-kunst\/","title":{"rendered":"Arthur Danto Ende der Kunst Kunstphilosophie Geschichte der Kunst"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/arthur-danto-ende-wovon.pdf\"><font size=\"1\" face=\"arial\">Zu Arthur Dantos These vom Ende der Kunst als Druckversion (PDF mit Fn. 454 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h2>Das Ende wovon? Kunsthistorische Anmerkungen zu Dantos These vom Ende der Kunst<\/h2>\n<p><small>in: Kunst. Fortschritt. Geschichte, hrsg. von Christoph Menke und Juliane Rebentisch, Berlin 2006, S. 57-66.<\/small><\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Wenn die Philosophie der Kunst die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten hat, die Geschichte der Kunst, das hei\u00dft einen gewissen Begriff von Historizit\u00e4t der Kunst zu beherrschen, ist dem paradoxerweise so, weil sie die Kunst zu leicht als historisch denkt.&#8220; <\/em> (Jacques Derrida)<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus kunsthistorischer Sicht m\u00f6chte ich zwei f\u00fcr Dantos Argumentation wesentliche Bausteine betrachten, zum einen die Darstellung der Geschichte der Kunst, zum anderen die Deutung von Warhols <em>Brillo-Box<\/em>, die bekanntlich den archimedischen Punkt von Dantos Kunstphilosophie bildet. Damit bezieht sich dieser Kommentar allerdings weniger auf Gerard Vilar, dessen Verneinung seiner Schlu\u00dffrage, ob wir Dantos These vom Kunstende wirklich brauchen, auch meinen Text grundiert, sondern vielmehr auf Danto selbst.<\/p>\n<h3>Kapitel I: Zur Geschichte der Kunst<\/h3>\n<p>Danto rechnet es zu seinen Verdiensten, in seiner Kunstphilosophie zwei gegenl\u00e4ufige Anliegen verbunden zu haben: eine Bestimmung des Wesens der Kunst, die den Anspruch auf \u00fcberzeitliche G\u00fcltigkeit erf\u00fcllt, und zugleich eine Deutung der Kunstgeschichte. Tats\u00e4chlich verkn\u00fcpft die These vom Ende der Kunst beides unmittelbar. Denn Danto zufolge enth\u00fcllt sich das Wesen der Kunst erst im Augenblick jener Erf\u00fcllung, die sie am Ende ihrer Geschichte erreicht. Zugleich setzt die These, die Kunst sei zu Ende, die Vorstellung einer koh\u00e4renten Geschichte voraus. Nur wenn diese einen linearen und damit nacherz\u00e4hlbaren Ablauf aufweist, kann sie auch zu Ende gehen. Gerade weil die Geschichte in Dantos Argumentation eine entscheidende Rolle spielt und gerade weil er beharrlich darauf hinweist, ein Kunstwerk m\u00fcsse im Lichte seiner Entstehungszeit betrachtet werden, da nicht alles zu allen Zeiten m\u00f6glich sei, f\u00e4llt nun aber auf, wie sehr er die Geschichte der Kunst zu einer Karikatur verk\u00fcrzt. Er beschreibt sie als Fortschrittsgeschichte mit zwei klar voneinander getrennten Phasen. In der ersten Phase, die vom Beginn der Renaissance bis zum Ende des Impressionismus dauert, waren die K\u00fcnstler gem\u00e4\u00df Danto damit befa\u00dft, &#8222;die Welt so darzustellen, wie diese sich selbst zeigte, wobei sie Menschen, Landschaften und historische Ereignisse genau so darstellten, wie diese sich dem Auge pr\u00e4sentierten&#8220;. Die Kunstgeschichte zeige sich, so Danto, als &#8222;interne Entwicklung auf eine ad\u00e4quate mimetische Repr\u00e4sentation&#8220;, gepr\u00e4gt durch eine &#8222;zunehmende Geschicklichkeit in der Darstellung visueller Erscheinungsbilder&#8220;. Dies ist mehr oder weniger alles, was Danto zum Verlauf der sechs Jahrhunderte Kunstproduktion zwischen Giotto und Monet sagt. Die zweite Phase dauert vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum April 1964, als Warhol die <em>Brillo-Boxen<\/em> ausstellt. Auch diese Phase hat ein Telos \u2013 oder vielmehr zwei. Auf der einen Seite schlie\u00dft sich Danto Clement Greenbergs formalistischer Deutung des Modernismus an, die in der Kunst seit Manet eine zunehmende Essentialisierung der einzelnen K\u00fcnste erkannte; eine Essentialisierung, welche sich nach Greenberg dadurch verwirklichte, da\u00df die spezifischen Eigenarten des jeweiligen Mediums in den Mittelpunkt r\u00fcckten. Andererseits erkennt Danto in der Moderne das &#8222;Zeitalter der Manifeste&#8220;, in der sich die Kunst auf ein immer vollst\u00e4ndigeres Bewu\u00dftsein ihrer Eigenart zubewegt. Danto verkn\u00fcpft folglich auf eine nicht leicht nachvollziehbare Weise den Formalismus Greenbergs, der nie von der Essenz der Kunst, sondern allein von der Essenz einzelner K\u00fcnste wie der Malerei oder der Skulptur spricht, mit dem hegelianischen Projekt eines wachsenden begrifflichen Selbstbewu\u00dftseins der Kunst als solcher. Wie wenig plausibel diese Verkn\u00fcpfung ist, erweist sich am Zielpunkt von Dantos Kunstgeschichte, der <em>Brillo-Box<\/em>. Mag sich diese \u2013 zumindest in Dantos Perspektive \u2013 f\u00fcr eine Begriffsbestimmung der Kunst eignen, kann sie keinesfalls als Zielpunkt von Greenbergs Modernismus-Deutung angesehen werden. Vielmehr \u00fcberschreitet sie dessen Entwicklungsmodell bereits dadurch, da\u00df sie als Kunstobjekt, das Malerei und Skulptur verbindet, aus Greenbergs K\u00fcnste- bzw. Medien-Essentialismus ausschert. Wie sich bei Danto das Kunstende vollzieht, ist hinreichend bekannt: Indem der Unterschied zwischen der <em>Brillo-Box<\/em> und ihrem nicht-k\u00fcnstlerischen Gegenpart im Supermarkt visuell nicht festzustellen sei, finde nicht nur die Mimesis-Theorie der Neuzeit ein Ende, sondern auch die Frage der modernen Kunst nach ihrem Begriff, da diese nun in ihrer reinsten Form gestellt sei. So verk\u00f6rpert Warhols Box in Dantos Narrativ der Kunstgeschichte den letzten, zutiefst ambivalenten Fortschritt der Kunst, der jeden weiteren Fortschritt verunm\u00f6glicht und die paradoxe Situation entstehen l\u00e4\u00dft, in der die Freiheit, da\u00df alles Kunst sein darf, mit der Unfreiheit, da\u00df kein Wandel mehr stattfinden kann, zusammenf\u00e4llt.<br \/>\nDiese Auffassung der Kunstgeschichte wird deren Verlauf weder in der Neuzeit noch in der Moderne gerecht. Aus kunsthistorischer Sicht w\u00e4re dagegen so vieles vorzubringen, da\u00df es den Rahmen dieses Kommentars sprengte, damit anzufangen. Ich m\u00f6chte allein grunds\u00e4tzlich fragen, welches Gewicht der These vom Kunst(geschichts)ende zukommt, wenn die Beschreibung ebendieser Geschichte so wenig \u00fcberzeugend ausf\u00e4llt. Danto macht in seiner Gegenwart eine Erfahrung, die aus vielen Zustandsbeschreibungen der Moderne und sogar der Vormoderne bekannt ist. Die Zeitzeugen gewinnen den Eindruck, im Gegensatz zu fr\u00fcheren Epochen g\u00e4be es in der gegenw\u00e4rtigen Kunst kein ordnendes Regulativ und kein \u00e4sthetisches Kriterium mehr, und zwischen dem, was als Kunst gelte, und dem, was keine Kunst sei, k\u00f6nne nicht mehr unterschieden werden. Doch im R\u00fcckblick deuten solche Erfahrungen jeweils nicht auf ein Ende der Kunst hin, sondern f\u00fchren lediglich zu einer Neukonzeption ihres Geschichtsverlaufs und ihres Begriffs. So geschah es auch im Falle von Greenbergs Entwicklungsmodell, das in den 1960er Jahren einer kritischen Revision unterzogen wurde, nicht nur, weil sich bei ihm die neu entstehenden Kunstformen nicht integrieren lie\u00dfen, sondern weil im selben Zuge un\u00fcbersehbar wurde, wie ausschnitthaft und verk\u00fcrzend seine Vorstellung der k\u00fcnstlerischen Moderne war. Im Falle Dantos m\u00fc\u00dfte die Revision vor allem der Auffassung gelten, die Geschichte der Kunst sei bis 1964 eine Fortschrittsgeschichte gewesen, und weiterhin der Auffassung, die k\u00fcnstlerische Moderne habe in ihrem ganzen Spektrum von Manet bis Warhol, von Brancusi bis Beuys, von Duchamp bis Johns, von Dali bis Pollock der philosophischen Suche nach dem Begriff der Kunst gegolten. Was in den 1960er Jahren in eine Krise geriet und an ein Ende kam, war weniger die Kunst als vielmehr eine bestimmte M\u00f6glichkeit, deren Geschichte zu entwerfen. Auch f\u00fcr Danto h\u00e4tte die Gegenwart, die sich dem hergebrachten Narrativ nicht f\u00fcgte, Anla\u00df sein k\u00f6nnen, die Geschichte der Kunst komplexer zu beschreiben, und dieses komplexere Bild der Geschichte h\u00e4tte ihm wiederum dabei helfen k\u00f6nnen, in der eigenen Zeit nicht nur jene nach-geschichtliche kriterienlose Beliebigkeit zu erkennen, die er der post-warholschen Kunst zuschreibt, sondern darin auch Kriterien der Ordnung zu entdecken. In Dantos Verk\u00fcndigung des Endes der Kunst scheint mir der Fehlschlu\u00df vorzuliegen, das Narrativ \u2013 jene bestimmte Art, die Geschichte der Kunst zu erz\u00e4hlen \u2013 f\u00fcr die erz\u00e4hlte Sache \u2013 die Kunst selbst \u2013 zu halten.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Punkt Arthur Danto\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/arthur-danto-ende-der-kunst-kunstphilosophie-geschichte-der-kunst\/\">Kapitel I: Zur Geschichte der Kunst<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Arthur Danto Pfeil\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/arthur-danto-andy-warhol-brillo-box\/\">Kapitel II: Zur Interpretation der <em>Brillo-Box<\/em><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/arthur-danto-ende-wovon.pdf\">Zu Arthur Dantos These vom Ende der Kunst als Druckversion (PDF mit Fn. 454 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Arthur Dantos These vom Ende der Kunst als Druckversion (PDF mit Fn. 454 KB) Das Ende wovon? 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