{"id":125,"date":"2007-09-20T12:15:23","date_gmt":"2007-09-20T10:15:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/marcel-duchamp-konzeptkunst-philosophie\/"},"modified":"2007-09-20T12:15:23","modified_gmt":"2007-09-20T10:15:23","slug":"marcel-duchamp-konzeptkunst-philosophie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/marcel-duchamp-konzeptkunst-philosophie\/","title":{"rendered":"Marcel Duchamp Konzeptkunst Philosophie"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/marcel-duchamp-poetik-der-nachtraeglichkeit.pdf\"><font face=\"arial\" size=\"1\">Poetik der Nachtr\u00e4glichkeit als Druckversion (PDF mit Fn. 233 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h2>Poetik der Nachtr\u00e4glichkeit oder Das Warten des Marcel Duchamp<\/h2>\n<p><small>in: Geschichte und \u00c4sthetik. Festschrift f\u00fcr Werner Busch zum 60. Geburtstag, hrsg. von Margit Kern, Thomas Kirchner und Hubertus Kohle, Berlin 2004, S. 461-469.<\/small><\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Das Rad kreisen zu lassen war sehr beruhigend und tr\u00f6stlich, es er\u00f6ffnete Wege zu anderen Dingen als den materiellen des allt\u00e4glichen Lebens. Ich mochte die Idee, ein Fahrrad-Rad in meinem Atelier zu haben. Ich schaute ihm gerne zu, so wie ich es genie\u00dfe, in die Flammen zu schauen, die in einem Kamin tanzen.&#8220; <\/em> (Marcel Duchamp)<\/p><\/blockquote>\n<h3>Kapitel I: R\u00e9flexion \u00e0 main<\/h3>\n<p>Eine heute einflu\u00dfreiche Spielart der \u00c4sthetik begreift die Kunst als Fortsetzung der Philosophie mit anderen Mitteln. Sie beruft sich auf die Konzeptualisierung der Kunst im 20. Jahrhundert und insbesondere auf deren Pr\u00e4zeptor Marcel Duchamp, dessen Readymades die Sinnlichkeit der Kunst durch die Kraft der Reflexion ersetzt h\u00e4tten. Duchamp habe das k\u00fcnstlerische Tun, das bislang durch handwerkliches Geschick und den \u00e4sthetischen Reiz des Materials gepr\u00e4gt gewesen sei, in eine rein geistige Praxis \u00fcberf\u00fchrt: in die Reflexion \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Dingen und Zeichen sowie \u00fcber die Klassifikation von Objekten. Diese plausible Sichtweise hat ihren blinden Fleck allerdings in der Frage, wie denn solche Reflexionsobjekte gemacht sind, ja, \u00fcberhaupt gemacht werden k\u00f6nnen. Deutlich wird dies an zwei Eigenheiten des interpretierenden Umgangs mit den Readymades. Zum einen werden sie aus dem \u0152uvre herausgel\u00f6st, obschon Duchamp selbst sein \u0152uvre als so geschlossen begriff, da\u00df er es in Gestalt eines Miniaturmuseums, der so genannten &#8222;Schachtel im Koffer&#8220;, zusammenfa\u00dfte. Zugleich verwendete er in der zweiten H\u00e4lfte seines Lebens erhebliche M\u00fche darauf, es im Philadelphia Museum of Art so vollz\u00e4hlig und geschlossen wie m\u00f6glich zu pr\u00e4sentieren. Dort stehen die Readymades nun in der Nachbarschaft zweier weiterer Hauptwerke, an denen Duchamp \u00fcber Jahre hin mit gr\u00f6\u00dfter handwerklicher Sorgfalt arbeitete: <em>&#8222;La mari\u00e9e mise \u00e0 nue par ses c\u00e9libataires, m\u00eame&#8220;<\/em>, auch <em>&#8222;Das Gro\u00dfe Glas&#8220;<\/em> genannt, das 1915 bis 1923 entstand, und <em>&#8222;Etant donn\u00e9s: 1\u00b0 la chute d\u2019eau \/ 2\u00b0 le gaz d\u2019\u00e9clairage&#8220;<\/em>, an dem Duchamp von 1946 bis 1966 arbeitete. Der blinde Fleck zeigt sich aber auch an der Hartn\u00e4ckigkeit, mit der behauptet wird, Duchamp habe ab 1913\/14 die Kunstwelt durch den Entschlu\u00df herausgefordert, beliebige Alltagsgegenst\u00e4nde zu Kunstwerken zu erkl\u00e4ren, indem er sie im Museum aufgestellt habe. Bekanntlich ist nichts dergleichen geschehen. Es darf auch vermutet werden, da\u00df der Versuch, w\u00e4re er unternommen worden, auch gar nicht erfolgreich gewesen w\u00e4re. Vielmehr bedurfte es einer langen Kette verschiedener Handlungen und einer Vielzahl von Mitspielern, um die Readymades von Alltagsdingen in Kunstgegenst\u00e4nde zu verwandeln. Duchamps Ziel bestand nicht in der nominalistischen Setzung von Gebrauchsgegenst\u00e4nden als Kunst. Was ihn interessierte, war weniger die Markierung einer Differenz als vielmehr das Spiel mit ihr. Dieses Spiel spielte er jedoch nicht allein in der Sph\u00e4re von Begriffen und Konzepten. Er betrieb es als &#8222;R\u00e9flexion \u00e0 main&#8220;, als &#8222;handbetriebene Reflexion&#8220;, die weder die Kunst in Philosophie \u00fcberf\u00fchren noch das Machen \u00fcberwinden wollte. Duchamp suchte viel eher nach einer Neubestimmung dessen, was er durchaus traditionell den &#8222;kreativen Akt&#8220; nannte. Dabei stand f\u00fcr ihn au\u00dfer Frage, da\u00df sich diese Suche nur innerhalb der Kunst und als Kunst vollziehen konnte.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Punkt Marcel Duchamp\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/marcel-duchamp-konzeptkunst-philosophie\/\">Kapitel I: R\u00e9flexion \u00e0 main<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Marcel Duchamp Pfeil\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/marcel-duchamp-readymade-flaschentrockner\/\">Kapitel II: Der Flaschentrockner als Paradigma<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/marcel-duchamp-grosses-glas-etant-donnes\/\">Kapitel III: Poetik der Nachtr\u00e4glichkeit<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/marcel-duchamp-the-creative-act-der-kreative-akt\/\">Kapitel IV: Der kreative Akt<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/marcel-duchamp-poetik-der-nachtraeglichkeit.pdf\">Poetik der Nachtr\u00e4glichkeit als Druckversion (PDF mit Fn. 233 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Poetik der Nachtr\u00e4glichkeit als Druckversion (PDF mit Fn. 233 KB) Poetik der Nachtr\u00e4glichkeit oder Das Warten des Marcel Duchamp in: Geschichte und \u00c4sthetik. 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