{"id":119,"date":"2007-09-20T08:55:21","date_gmt":"2007-09-20T06:55:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/bruce-nauman-betrachter-aktion-passion\/"},"modified":"2007-09-20T08:55:21","modified_gmt":"2007-09-20T06:55:21","slug":"bruce-nauman-betrachter-aktion-passion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/bruce-nauman-betrachter-aktion-passion\/","title":{"rendered":"Bruce Nauman Betrachter Aktion Passion"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/bruce-nauman-eigentliche-taetigkeit.pdf\"><font face=\"arial\" size=\"1\">Die eigentliche T\u00e4tigkeit als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 869 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h2>Die eigentliche T\u00e4tigkeit. Aktion und Erfahrung bei Bruce Nauman<\/h2>\n<p><small>in: Auf der Schwelle. Kunst, Risiken und Nebenwirkungen, hrsg. von Erika Fischer-Lichte, Robert Sollich, Sandra Umathum und Matthias Warstat, M\u00fcnchen 2006, S. 57-74.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel I: Aktivit\u00e4t und Passion<\/h3>\n<p>Die Selbstaktivierung zum Performer und die Aktivierung des Betrachters zum Teilhaber des Werks f\u00fchren bei Bruce Naumans Arbeiten zu einer Entschleunigung bis zum Stillstand. Er gleicht dem Verharren auf einer Schwelle &#8211; auf der Schwelle zwischen Einschluss und Ausgrenzung, somatischer Empfindung und intellektueller Reflexion, spezifischer Erfahrung und generalisierbarem Sinn. Insbesondere bei den begehbaren Installationen arbeitet Nauman mit zwei unterschiedlichen Aktivierungen des Betrachters: zum einen mit der unmittelbaren Interaktion als Automatismus von Reiz und Reaktion, zum anderen mit der komplexen, Psychologie, Anthropologie, Physiologie, zuweilen auch Soziales und Politisches einschlie\u00dfenden reflexiven Aktivierung des Rezipienten. Weder die automatistische noch die reflexive Aktivierung sind kunstspezifisch. Das Kennzeichen von Naumans Arbeiten, das auf die spezifischen M\u00f6glichkeiten der Kunst verweisen d\u00fcrfte, besteht darin, beide Aktivierungen gleichzeitig hervorzurufen und in Konflikt zueinander treten zu lassen. Die Erkenntnisse, die dadurch er\u00f6ffnet werden, erscheinen grundlegend und zugleich in ihrem weiterf\u00fchrenden Sinn zweifelhaft. Exemplarisch f\u00fcr diesen epistemischen Zweifel ist eine Einsicht, die Nauman in einem j\u00fcngeren Interview vortr\u00e4gt. Nehmen wir einmal an, so Nauman in diesem Interview, wir wollten den rechten Fu\u00df heben und einen Schritt nach vorne setzen. St\u00fcnden wir auf dem rechten Fu\u00df, gehe das nicht. Wir m\u00fcssten, um ihn heben und versetzen zu k\u00f6nnen, das Gewicht erst einmal auf den linken Fu\u00df verlagern. Wenn wir dann den rechten Fu\u00df erneut bewegen wollten, beginne das Spiel von neuem. Nauman zergliedert die simple, gew\u00f6hnlich unwillk\u00fcrlich ablaufende Bewegungsfolge des Gehens, um festzustellen, dass wir eigentlich hinken, wenn wir gehen. Wor\u00fcber Nauman schweigt, ist die Frage, was aus dieser Einsicht folgt. Denn im Grunde m\u00fcssen wir sie wieder vergessen, um tats\u00e4chlich gehen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Wandel von einer distanzierten, kontemplierenden Beziehung zwischen Werk und Betrachter zur aktiven Beteiligung des Betrachters am Werkprozess dynamisiert sich in den 60er Jahren in einer Weise, die den jeweiligen Rezeptionsprozess zuweilen zum eigentlichen Inhalt des Kunstwerks avancieren l\u00e4sst. Die k\u00fcnstlerische Bedeutungsstiftung subjektiviert und performativiert sich, indem sie sich von ihren konkreten Umst\u00e4nden und Verl\u00e4ufen weder abl\u00f6sen kann noch will. Innerhalb dieses Wandels kommt Naumans \u0152uvre besondere Bedeutung zu. Insbesondere zwingen seine Arbeiten dazu, Werkbetrachtung und Selbstbefragung fortw\u00e4hrend aufeinander zu beziehen. Die Interpretation der jeweiligen Werke kann gar nicht anders, als die Strukturbeobachtungen am Werk und die Selbstbeobachtung des Rezipienten wechselseitig auseinander hervorgehen zu lassen &#8211; wobei sich die Selbstbeobachtung des Betrachters bei Nauman an Werken vollzieht, die ihrerseits in der Selbstbeobachtung des K\u00fcnstlers gr\u00fcnden. Die Arbeiten \u00f6ffnen sich r\u00fcckhaltlos f\u00fcr den Betrachter, den sie auffordern, das Werk zu &#8218;machen&#8216;, das gerade bei den raumgreifenden Installationen ohne dessen Mitwirkung unf\u00f6rmig und unsinnig bliebe. Allerdings stellt sich bald eine gegenl\u00e4ufige Erfahrung ein. Der Betrachter &#8218;macht&#8216; das Werk nicht, sondern wird vielmehr von diesem &#8218;gemacht&#8216;, indem er in einer zuweilen diktatorischen Weise in eine \u00e4sthetische oder sogar existenzielle Erfahrung gedr\u00e4ngt wird. Die spezifisch Naumansche Auspr\u00e4gung des &#8218;Kunstrisikos&#8216;, um das dieser Sammelband kreist, besteht folglich in zwei unaufl\u00f6sbaren Spannungen: einerseits zwischen intensiver somatischer Erfahrung und offen bleibendem Sinn, andererseits zwischen Aktivierung des Betrachters und dessen Passion.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"punkt\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/bruce-nauman-betrachter-aktion-passion\/\">Kapitel I: Aktivit\u00e4t und Passion<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Paul Cezanne - Pfeil\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/bruce-nauman-umberto-eco-das-offene-kunstwerk\/\">Kapitel II: Nauman und das &#8222;offene Kunstwerk&#8220;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/bruce-nauman-subjektivitaet-performance-film\/\">Kapitel III: Vom Werk zur Performance<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/bruce-nauman-installationen-corridors-corridor-installation\/\">Kapitel IV: Von der Performance zur Installation<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/bruce-nauman-spiel-closed-circuit-psychoanalyse\/\">Kapitel V: Das Spiel (mit) der Subjektivit\u00e4t<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/bruce-nauman-eigentliche-taetigkeit.pdf\">Die eigentliche T\u00e4tigkeit als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 869 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die eigentliche T\u00e4tigkeit als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 869 KB) Die eigentliche T\u00e4tigkeit. Aktion und Erfahrung bei Bruce Nauman in: Auf der Schwelle. Kunst, Risiken und Nebenwirkungen, hrsg. von Erika Fischer-Lichte, Robert Sollich, Sandra Umathum und Matthias Warstat, M\u00fcnchen 2006, S. 57-74. Kapitel I: Aktivit\u00e4t und Passion Die Selbstaktivierung zum Performer und die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/bruce-nauman-betrachter-aktion-passion\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBruce Nauman Betrachter Aktion Passion\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-119","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=119"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}