{"id":114,"date":"2007-09-06T16:26:30","date_gmt":"2007-09-06T14:26:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/paul-cezanne-kuenstlerischer-prozess-subjekt-medium-autonomie-der-kunst\/"},"modified":"2007-09-06T16:26:30","modified_gmt":"2007-09-06T14:26:30","slug":"paul-cezanne-kuenstlerischer-prozess-subjekt-medium-autonomie-der-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/paul-cezanne-kuenstlerischer-prozess-subjekt-medium-autonomie-der-kunst\/","title":{"rendered":"Paul Cezanne k&#252;nstlerischer Prozess Subjekt Medium Autonomie der Kunst"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/paul-cezanne-subjektivitaet.pdf\"><font size=\"1\" face=\"verdana\">Subjektivit\u00e4t und Medialit\u00e4t bei C\u00e9zanne als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.450 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/p>\n<h2>Subjektivit\u00e4t und Medialit\u00e4t bei C\u00e9zanne \u2013  mit Vorbemerkungen zu D\u00fcrer, Kersting und Manet<\/h2>\n<p><small>in: Subjekt und Medium in der Kunst der Moderne, hrsg. von Michael L\u00fcthy und Christoph Menke, Berlin 2006, S. 189-207.<\/small><\/p>\n<h3>Abschnitt I<\/h3>\n<p>Die Auffassung des k\u00fcnstlerischen Prozesses \u2013 was in ihm geschieht, worauf er zielt und worin sein Wert besteht \u2013 wandelte sich \u00fcber die Jahrhunderte der westlichen Kunstgeschichte in erheblichem Ma\u00dfe. Einer der dramatischsten Umbr\u00fcche ereignete sich zu Beginn der Moderne im sp\u00e4ten 18. Jahrhundert, als im Zuge der generellen geistigen und materiellen Umw\u00e4lzungen auch die sozialen, kulturellen und metaphysischen Referenzrahmen der Kunst aufbrachen. W\u00e4hrend die alten Bezugsgr\u00f6\u00dfen schwanden \u2013 das Prinzip der Nachahmung, die rhetorische Gliederung der Gattungen und Darstellungsmodi, die Patronats- und Auftragsverh\u00e4ltnisse \u2013, gingen die K\u00fcnstler auf die Grundlagen ihres Tuns zur\u00fcck. Zunehmend freigesetzt von ihren tradierten Aufgaben, begannen sie, sich selbst zu erforschen, indem sie ihre Selbst- und Weltwahrnehmung pr\u00fcften, und \u00fcber ihre Gestaltungsmedien zu reflektieren. Konkurrierend wurden in der Folge das Subjekt oder aber das Medium als jener letzte Grund vorgeschlagen, auf dem die Kunst basiere. In diesen unterschiedlichen Fundierungen wurde die Autonomie der Kunst jeweils anders ausgelegt. Im einen Fall verstand man sie als <em>Freisetzung des K\u00fcnstlers<\/em> von unmittelbaren Vorgaben politischer, religi\u00f6ser oder weltanschaulicher Art. Dieser stellte, so das neue Selbstverst\u00e4ndnis, nicht (mehr) dar, was anderswo vorgegeben war oder wozu er veranla\u00dft wurde, sondern beanspruchte den Status als selbstbestimmtes Subjekt. Das Kunstwerk, als \u201aAusdruck\u2018 des K\u00fcnstlers verstanden, nahm gewisserma\u00dfen dessen \u201aGestalt\u2018 an. Im anderen Fall gr\u00fcndete die Autonomie der Kunst auf der <em>Eigengesetzlichkeit des Werks<\/em>, dessen Sinnf\u00e4lligkeit es nicht nur von den anderen wahrnehmbaren Dingen abhob, sondern auch von seinem Autor abl\u00f6ste. Beide Fundierungen forderten ein je eigenes, neues Beurteilungsprinzip gegen\u00fcber den Erzeugnissen der Kunst. Die individuelle Sicht des K\u00fcnstlers oder aber die Eigenlogik k\u00fcnstlerischer Form sollten nicht nur in ihrer jeweiligen Legitimit\u00e4t anerkannt, sondern zugleich als die eigentlichen Pointen k\u00fcnstlerischer Produktivit\u00e4t begriffen werden.<br \/>\nDie Hoffnungen, auf diese Weise eine solide (Neu-)Begr\u00fcndung der Kunst zu leisten, mu\u00dften zwangsl\u00e4ufig unerf\u00fcllt bleiben. Zwar befl\u00fcgelte die Erwartung, der R\u00fcckgang auf die Eigenart und die Gesetze des k\u00fcnstlerischen Mediums entdecke der Kunst ein \u201aobjektives\u2018 Fundament, viele K\u00fcnstler insbesondere der klassischen Moderne. Clement Greenbergs Theorie des Modernismus versuchte sogar zu zeigen, da\u00df die Selbstbegr\u00fcndung der Kunst durch die \u201aEssentialisierung\u2018 des jeweils verwendeten Mediums geleistet werden k\u00f6nne. Zugleich aber f\u00fchrte die Autonomisierung der Kunst nicht zuletzt dazu, da\u00df die K\u00fcnstler ihre Medien selbst w\u00e4hlen konnten, ja, w\u00e4hlen mu\u00dften, wodurch sich diese bereits subjektivierten. Viele K\u00fcnstler der Moderne fanden ihre individuelle Handschrift gerade durch die Wahl eines Mediums, und sei es eines, das Handschriftlichkeit gerade negiert, wie beispielsweise das kubistische <em>papier coll\u00e9<\/em> oder der Siebdruck, den Andy Warhol zu seiner \u201aSignatur\u2018 zu machen wu\u00dfte. Das Subjekt erwies sich als ebenso prek\u00e4re Basis der Kunst. Es kann sich nicht unmittelbar ent\u00e4u\u00dfern, so als st\u00fcnde das Hervorgebrachte in unmittelbarer Verbindung mit dem Inneren des K\u00fcnstlers, dessen Pr\u00e4senz sich in ihm ausdr\u00fcckt. Die k\u00fcnstlerische Expression ist vielmehr doppelt kodiert. Das Kunstwerk steht nicht direkt, sondern lediglich metaphorisch f\u00fcr das Selbst des K\u00fcnstlers ein. \u00dcberdies mu\u00df es sich einer spezifischen Darstellungsform bedienen, die nie g\u00e4nzlich subjektiv sein kann, da der K\u00fcnstler sich nur durch Medien auszudr\u00fccken vermag, die ihm \u00e4u\u00dferlich bleiben: durch Farbe, Pinselstrich usw.<br \/>\nAm Grund der k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit sto\u00dfen wir folglich nicht auf Eines, auf \u201aSubstanz\u2018 oder \u201aSein\u2018, sondern auf einen Dual und den dazwischen sich abspielenden Proze\u00df: auf die dynamische Wechselbeziehung zwischen Subjekt und Medium, die sich auf keine der beiden Seiten reduzieren l\u00e4\u00dft. Beides verbindet sich im k\u00fcnstlerischen Akt, der sich an der Nahtstelle von Medium und schreibendem bzw. sich schreibendem Subjekt bewegt. Das Medium wird subjektiviert und erscheint als anthropomorph besetztes anderes Selbst, das Subjekt hingegen erscheint als Medium, durch das hindurch etwas \u201aspricht\u2018, das insbesondere in der Kunst nicht einfach mit dem (selbst-) bewu\u00dften Ich zu verrechnen ist. Subjekt und Medium erweisen sich als ambivalente Schaupl\u00e4tze, die in doppelter Funktion stehen. Sie sind der Ort des Aussagens, d.h. der Ort, an dem etwas ausgesagt wird, und zugleich die Sache der Aussage, mit anderen Worten der eigentliche Inhalt, den das Kunstwerk kommuniziert. Um es bewu\u00dft tautologisch zu formulieren: In der Moderne wird die k\u00fcnstlerische Praxis, als das Ineinandergreifen von Subjekt und Medium, zum Fundament k\u00fcnstlerischer Praxis.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"punkt\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/paul-cezanne-kuenstlerischer-prozess-subjekt-medium-autonomie-der-kunst\/\">Abschnitt I<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Paul Cezanne - Pfeil\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/paul-cezanne-kunstproduktion-albrecht-duerer-georg-friedrich-kersting-edouard-manet\/\">Abschnitt II<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/paul-cezanne-realisation-sensation-motiv\/\">Abschnitt III<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/paul-cezanne-struktur-fleck-harmonie-parallel-zur-natur\/\">Abschnitt IV <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"10\" height=\"20\" alt=\"spacer\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/paul-cezanne-subjektivitaet.pdf\">Subjektivit\u00e4t und Medialit\u00e4t bei C\u00e9zanne als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.450 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Subjektivit\u00e4t und Medialit\u00e4t bei C\u00e9zanne als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 1.450 KB) Subjektivit\u00e4t und Medialit\u00e4t bei C\u00e9zanne \u2013 mit Vorbemerkungen zu D\u00fcrer, Kersting und Manet in: Subjekt und Medium in der Kunst der Moderne, hrsg. von Michael L\u00fcthy und Christoph Menke, Berlin 2006, S. 189-207. 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