{"id":1133,"date":"2017-01-29T09:33:19","date_gmt":"2017-01-29T07:33:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=1133"},"modified":"2019-05-24T08:00:44","modified_gmt":"2019-05-24T06:00:44","slug":"goltzsche-zeichnung-sehen-phaenomenologie-genese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/goltzsche-zeichnung-sehen-phaenomenologie-genese\/","title":{"rendered":"Goltzsche Zeichnung Sehen Ph\u00e4nomenologie Genese"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/goltzsches-linie.pdf\"><font size=\"1\" face=\"verdana\">Goltzsches Linie als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 12.651 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<h2>Goltzsches Linie<\/h2>\n<p><small>in: Dieter Goltzsche. Blauer Pfirsich. Arbeiten auf Papier, hrsg. von Sigrid Walther und Gisbert Porstmann, Ausstellungskat. St\u00e4dtische Galerie Dresden &#8211; Kunstsammlung Dresden, Dresden 2016<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel IV: Die Fragilit\u00e4t der Zeichnung<\/h3>\n<p>In Goltzsches Zeichnungen wird nicht nur das Darstellen, sondern auch das Sehen aus seiner Dienstbarkeit f\u00fcr andere Zwecke herausgel\u00f6st, um zu einer immer neu ansetzenden, nie zu positivierbaren Ergebnissen sich verfestigenden \u00bbPh\u00e4nomenologie\u00ab der Erscheinungswelt zu werden \u2013 realisiert als eine \u00bbPh\u00e4nomenologie\u00ab der M\u00f6glichkeiten zeichnerischer Linienf\u00fchrung. Auch hier steht Goltzsche auf dem Grund der modernen Neukonzeptualisierung der Kunst. Denn seit der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Idee eines \u00bbreinen Sehens\u00ab als dem Ausgangs- und Zielpunkt der Kunst \u2013 eines Sehens, das als solches auch vom Betrachter gefordert wird, sofern dieser den Sinn des jeweiligen Kunstwerks nicht verfehlen will. Goltzsches Bl\u00e4tter werden zur Vorf\u00fchrung eines Zeichnens, das sich die Regeln des Darstellens selbst setzt, wie zugleich zur Vorf\u00fchrung eines Sehens, das sich der Offenheit seines Vollzugs \u00fcberl\u00e4sst. Die stets unabgeschlossene Genese des gesehenen Motivs als auch der zeichnerischen Form wird zum eigentlichen \u00bbInhalt\u00ab des Blattes. Dieser besteht, in immer neuen Varianten, in der wechselseitigen Abh\u00e4ngigkeit zwischen Zeichnen und Sehen, gerade weil man den Gegenstand so, wie ihn die jeweilige Zeichnung zeigt, noch nie gesehen hat. Die herausragende Qualit\u00e4t von Goltzsches Zeichnungen liegt darin, die beiden zentralen Postulate einer \u00bbautonomisierten\u00ab Kunst, das \u00bbreine Sehen\u00ab des Gegenstandes und die selbstbez\u00fcgliche zeichnerische Form, so perfekt auszubalancieren, dass weder der Aspekt des Sehens noch der Aspekt der Form den Vorrang \u00fcber das jeweils andere gewinnt. Sowohl <em>Tagebau<\/em> als auch <em>Vorgebirge<\/em> legen den Linienverlauf so an, dass er sowohl als Spur einer Hand lesbar wird, die \u00fcber das Blatt f\u00e4hrt, wie zugleich als Spur eines Blickes, der sein Motiv Partie f\u00fcr Partie abtastet.<\/p>\n<p>Das allerdings f\u00fchrt zu einer fundamentalen Fragilit\u00e4t der Zeichnung, einer paradoxen Verbindung von Sein und Nichtsein. Denn die Linien, ebenso wie der Blattgrund, treten nur dann in ihrer Materialit\u00e4t heraus, wenn der darstellende Charakter der Zeichnung schwindet, und die jeweiligen Motive gewinnen nur dann eine sich vom Blatt l\u00f6sende Plastizit\u00e4t, wenn das Papier und die Striche sich zu Medien ihres Erscheinens immaterialisieren. Die Zeichnungen pulsieren zwischen materieller Konkretion und immateriellem Effekt, wobei das eine stets nur gegen das andere zu haben ist. In dieser fundamentalen Fragilit\u00e4t des Zeichnens liegt nicht nur der Reiz dieses k\u00fcnstlerischen Mediums. Sie nicht \u00fcberwinden zu wollen, sondern sie sch\u00fctzend zu bewahren, wie Goltzsche es seit langem tut, bezeugt eine Haltung, die ebenso Weisheit wie Bescheidenheit ist.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/zeichnung-linie-blatt-anthropologie-medialitaet\/\">Kapitel I: Das Anf\u00e4ngliche der Linie <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/zeichnung-linie-autonomie-moderne-immanenz\/\">Kapitel II: Die autonomisierte Linie \u2013 \u00e4sthetisch und politisch<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/dieter-goltzsche-zeichnung-gegenstaendlichkeit-abstraktion\/\">Kapitel III: Goltzsches Linie \u2013 exemplarisch<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Goltzsches Linie\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/goltzsche-zeichnung-sehen-phaenomenologie-genese\/\">Kapitel IV: Die Fragilit\u00e4t der Zeichnung<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/goltzsches-linie.pdf\">Goltzsches Linie als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 12.651 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Goltzsches Linie als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 12.651 KB) Goltzsches Linie in: Dieter Goltzsche. Blauer Pfirsich. Arbeiten auf Papier, hrsg. von Sigrid Walther und Gisbert Porstmann, Ausstellungskat. 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