{"id":1031,"date":"2016-07-07T09:28:14","date_gmt":"2016-07-07T07:28:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=1031"},"modified":"2016-07-07T09:28:14","modified_gmt":"2016-07-07T07:28:14","slug":"fontana-bild-schnitte-ikon-performance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/fontana-bild-schnitte-ikon-performance\/","title":{"rendered":"Fontana Bild Schnitte Ikon Performance"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/fontanas-schnitte.pdf\"><font size=\"1\" face=\"verdana\">Fontanas Schnitte als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 190 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<h2>Fontanas Schnitte<\/h2>\n<p><small>in: Bild-Riss. Textile \u00d6ffnungen im \u00e4sthetischen Diskurs, hrsg. von Mateusz Kapustka, Textile Studies, Band 7, Edition Imorde, Emsdetten\/Berlin, 2015, S. 25-38.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel 3: Die zwei Ordnungen des Schnitts: ikonisch und performativ<\/h3>\n<p>Pierre Bourdieu zufolge geht die Entwicklung zu gr\u00f6\u00dferer Autonomie, die die Kunst in der Moderne durchl\u00e4uft, mit der kritischen R\u00fcckwendung der K\u00fcnstler auf die Prinzipien und Voraussetzungen ihrer eigenen Produktion einher. Bei Fontana bezieht sich die kritische R\u00fcckwendung einerseits auf das Medium des Bildes, genauer auf dessen Oberfl\u00e4che im Zeichen modernistischer <em>\u201aflatness\u2018<\/em>. Sie bezieht sich aber ebenso offensichtlich auf die Geste als Ausdrucksbewegung eines Subjekts. Diese doppelte Reflexion \u2013 des Mediums wie der subjektiven Expression \u2013 wird besonders anschaulich in Ugo Mulas\u2019 ber\u00fchmter Bildserie, die Fontanas Praxis fotografisch inszeniert und aus der hier drei Fotografien wiedergegeben sind. An ihnen l\u00e4sst sich ablesen, dass die Schnitte auf zwei Ordnungen bezogen sind. Bevor Fontana dazu ansetzt, betrachtet er das Leinwandgeviert genau, da er sich entscheiden muss, wo und in welcher Ausrichtung er sie setzt. Denn deren Platzierung wird dar\u00fcber entscheiden, welchen Ausdruck das Bild gewinnt. Materiell m\u00f6gen die Schnitte die Leinwand zerst\u00f6ren; \u00e4sthetisch indes organisieren sie das Bildfeld in einer Weise, die die Schnittkonstellationen bald streng und hieratisch, bald besonders elegant, bald wiederum t\u00e4nzerisch rhythmisiert erscheinen lassen. Erneut zeigt sich die Verwandtschaft des Schneidens mit dem Zeichnen: Auch Fontanas Schnitte sind kompositorische, auf die vorgegebene Instanz der Bildfl\u00e4che bezogene \u00e4sthetische Setzungen.<\/p>\n<p>Der ikonischen Ordnung der Schnitte steht eine andere Ordnung gegen\u00fcber, die im Fortgang von Mulas\u2019 Foto-Sequenz die Oberhand gewinnt. Es ist nicht die ikonische Ordnung der Bildfl\u00e4che, sondern die performative Ordnung der Aktion \u2013 jener Aktion, die sich zwischen dem K\u00f6rper des K\u00fcnstlers und seinem Gegen\u00fcber ereignet. Hier unterwirft sich der K\u00fcnstler den Gesetzen der Bildfl\u00e4che nicht, sondern antwortet, die aufblitzende Waffe in der Hand, auf die Herausforderung der m\u00e4chtigen leeren Leinwand mit einem Angriff \u2013 mit jenem Angriff auf das Medium, durch den das Bild, Robert Motherwell zufolge, etwas \u201abedeutet\u2018. In Mulas Bildfolge gewinnt das performative Bedeuten deshalb die Oberhand \u00fcber das ikonische Bedeuten, weil die Kamera schlie\u00dflich so nahe an die Schnittgeste heranr\u00fcckt, dass die Totalit\u00e4t der Leinwand als ma\u00dfgebliche Gr\u00f6\u00dfe ikonischen Bedeutens aus dem Blick ger\u00e4t. Unabh\u00e4ngig von einer solchen fotografischen Fokussierung, im Angesicht der <em>Tagli<\/em> selbst, \u00fcberwiegt jedoch die Erfahrung, dass der ikonische und der performative Aspekt der Schnitte \u00e4sthetisch perfekt ausbalanciert sind.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/modernismus-bild-oberflaeche-illusion-greenberg\/\">Einleitung: Modernistische \u201aflatness\u2018 und ihr Widerruf<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-tagli-loch-schnitt-linie\/\">Kapitel I: Fontanas Fund<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-concetto-spaziale-attesa-raum\/\">Kapitel II: Der Schnitt als Schwelle<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Fontana\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-bild-schnitte-ikon-performance\/\">Kapitel III: Die zwei Ordnungen des Schnitts: ikonisch und performativ<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Fontana\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-tagli-rueckseite-notate-ausdruck\/\">Kapitel IV: Der Schnitt als \u00c4u\u00dferung \u2013 und Fontanas r\u00fcckseitige Notate<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-transzendenz-immanenz-unendliches-wiederholung\/\">Kapitel V: Transzendenz und Immanenz des Unendlichen<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/fontanas-schnitte.pdf\">Fontanas Schnitte als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 190 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fontanas Schnitte als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 190 KB) Fontanas Schnitte in: Bild-Riss. Textile \u00d6ffnungen im \u00e4sthetischen Diskurs, hrsg. von Mateusz Kapustka, Textile Studies, Band 7, Edition Imorde, Emsdetten\/Berlin, 2015, S. 25-38. 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