{"id":1029,"date":"2016-07-07T09:27:55","date_gmt":"2016-07-07T07:27:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/?p=1029"},"modified":"2016-07-07T09:27:55","modified_gmt":"2016-07-07T07:27:55","slug":"fontana-concetto-spaziale-attesa-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelluethy.de\/scripts\/fontana-concetto-spaziale-attesa-raum\/","title":{"rendered":"Fontana concetto spaziale attesa Raum"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/fontanas-schnitte.pdf\"><font size=\"1\" face=\"verdana\">Fontanas Schnitte als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 190 KB)<\/font><\/a><\/p>\n<h2>Fontanas Schnitte<\/h2>\n<p><small>in: Bild-Riss. Textile \u00d6ffnungen im \u00e4sthetischen Diskurs, hrsg. von Mateusz Kapustka, Textile Studies, Band 7, Edition Imorde, Emsdetten\/Berlin, 2015, S. 25-38.<\/small><\/p>\n<h3>Kapitel 2: Der Schnitt als Schwelle<\/h3>\n<p>Obschon Fontana mit den Schnittbildern von der repr\u00e4sentierenden Gegenst\u00e4ndlichkeit, die auch sein eigenes Fr\u00fchwerk pr\u00e4gt, zu einer performativen Kunstform \u00fcbergeht, folgert er daraus nicht, was vielen K\u00fcnstlern der sp\u00e4ten 1950er und vor allem der 1960er Jahre geboten scheint: n\u00e4mlich ganz aus dem Bild auszusteigen und im tats\u00e4chlichen Raum t\u00e4tig zu werden, beispielsweise mit Performances. Fontanas <em>\u201aacted spatiality\u2018<\/em> bleibt bildimmanent: entgegen Fontanas Diktum, er wolle keine Bilder machen, erzeugt sie eine \u00d6ffnung <em>als Bild<\/em>. Die Bildsch\u00f6pfung als Bildzerst\u00f6rung \u2013 oder Bildzerst\u00f6rung als Bildsch\u00f6pfung \u2013 bringt ein widerspr\u00fcchliches Bild hervor, das etwas zu sehen gibt und doch nichts zeigt. Der Raum, den der Schnitt er\u00f6ffnet, l\u00e4sst sich weder auf den empirischen Raum noch auf ein Raum-Zeichen vereindeutigen. Fontana bringt dies durch die Betitelung der <em>Tagli<\/em> zum Ausdruck, die er durchg\u00e4ngig <em>Concetto spaziale\/Attesa (Raumkonzept\/Erwartung)<\/em> nennt. Die Pointe der Schnitte besteht vielmehr darin, Sein und Schein gleicherma\u00dfen zu sein. Das \u201aUnendliche\u2018 wird im Schnitt konkret erschaffen und zugleich als Effekt inszeniert \u2013 letzteres insbesondere dadurch, dass Fontana hinter die Partien der Leinwand, die von den Schnitten durchtrennt sind, eine dunkle Gaze spannt, die verhindert, dass die Wand hinter dem Bild hervorscheint. Indem diese Gaze deutlich sichtbar ist, wird offenbar, dass das \u201aUnendliche\u2018 gerade so tief ist wie die durchschnittene Leinwand. <em>Innerhalb<\/em> der Leinwand entdeckt Fontana also den Raum, mit dem er die herk\u00f6mmliche illusionistische R\u00e4umlichkeit der Bildk\u00fcnste zu \u00fcberbieten sucht. Die Wirkung des Schnitts besteht demzufolge nicht darin, den Schein zu durchbrechen und zum substanziellen, \u201aunendlichen\u2018 Sein vorzudringen, sondern Sein und Schein wechselseitig gegeneinander auszuspielen. Bei den <em>Tagli<\/em> sind Endlichkeit und Unendlichkeit, Materialit\u00e4t und Immaterialit\u00e4t ineinander umspringende Aspekte desselben Wahrnehmungsobjekts.<\/p>\n<p>Topologisch gesprochen, hat der Schnitt die Eigenart einer Schwelle. Kennzeichnend f\u00fcr Schwellen ist es, dass sie keiner der beiden Seiten zugeh\u00f6ren, deren \u00dcbergang sie markieren, sondern als ihr Dazwischen jenes <em>\u201aexcluded middle\u2018<\/em> sind, mit dem im Englischen das ausgeschlossene Dritte bezeichnet wird. Ein solches <em>\u201aexcluded middle\u2018<\/em> ist Fontanas Schnitt-\u00d6ffnung. Inmitten der Leinwand erscheint sie wie ein Symptom, das die generelle Eigenschaft von Bildoberfl\u00e4chen anzeigt, weder zur Ordnung des Dargestellten noch zur Ordnung des Realraums zu geh\u00f6ren. Durch den Schnitt kr\u00fcmmt sich die Leinwand leicht, meistens vom Betrachter weg, in selteneren F\u00e4llen zu ihm hin. Die Kr\u00fcmmung verleiht der Schnitt-\u00d6ffnung eine K\u00f6rperlichkeit, die die Schwelle zwischen dem Innen und dem Au\u00dfen des Bildes betont, indem sie auf diese Weise zu einer eigentlichen <em>Zone<\/em> des \u00dcbergangs wird. Zugleich f\u00fchrt die Kr\u00fcmmung dazu, dass Fontanas Schnitte f\u00fcr unterschiedliche Assoziationen \u2013 sexuelle oder medizinische \u2013 anschlussf\u00e4hig werden.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/modernismus-bild-oberflaeche-illusion-greenberg\/\">Einleitung: Modernistische \u201aflatness\u2018 und ihr Widerruf<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-tagli-loch-schnitt-linie\/\">Kapitel I: Fontanas Fund<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/punkt.gif\" alt=\"Fontana\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-concetto-spaziale-attesa-raum\/\">Kapitel II: Der Schnitt als Schwelle<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pfeil.gif\" alt=\"Fontana\" \/><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-bild-schnitte-ikon-performance\/\">Kapitel III: Die zwei Ordnungen des Schnitts: ikonisch und performativ<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-tagli-rueckseite-notate-ausdruck\/\">Kapitel IV: Der Schnitt als \u00c4u\u00dferung \u2013 und Fontanas r\u00fcckseitige Notate<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/scripts\/fontana-transzendenz-immanenz-unendliches-wiederholung\/\">Kapitel V: Transzendenz und Immanenz des Unendlichen<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/img\/pixel.gif\" alt=\"spacer\" width=\"10\" height=\"20\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.michaelluethy.de\/fontanas-schnitte.pdf\">Fontanas Schnitte als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 190 KB)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fontanas Schnitte als Druckversion (PDF mit Abb. u. Fn. 190 KB) Fontanas Schnitte in: Bild-Riss. Textile \u00d6ffnungen im \u00e4sthetischen Diskurs, hrsg. von Mateusz Kapustka, Textile Studies, Band 7, Edition Imorde, Emsdetten\/Berlin, 2015, S. 25-38. 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